Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

Pomp ist auch gesorgt. Proceffionen, Paufen und Trompeten, `aufmarschirende Armeen, Gefechte auf dem Theater, geben dem Ganzen den Charakter eis nes Spectafelstücks.

Das Schauspiel die spanische Tragddie fand einen Fortseger. T\ o in as kind, der Verfass ser dieses zweiten Theils des beliebten Stůcks, wollte den Effect, den die abenteuerliche Composition ges macht hatte, noch verstårfen. Er gab zwar seiner Urbeit einen Schein von Regelmäßigkeit durch die Abibeilung in fünf Acte; aber er mischte noch mehr Begebenheiten durch einander, rchob einen Geist und eine allegorische Person, die Rache, zwischen die Acte binein, übertrieb das Ungemeine der Sprache bis zur Ungereimtbeit, und brachte endlich ein Wert zu Stande, in welchem man alle Fehler betsammen leben fann, zu denen die dramatische Poesie der Englånder furz vor Shakespear fich neigte "). Seine neue spanische Tragddie brachte zwar die ältere fast in Vergessenheit, aber sie wurde auch, nachdem sie einige Zeit beflatscht worden, ein Lieblingsgegen: stand des Gespšttes der Kritifer. Huf die unvers biente Ebre, die man dem Stücke erwiesen Batte,

.

folgte eine ungerechte Herabseßung seines Wertes

,

My purest thoughts work in a pitchy vale,
Which are as different as heaven and hell.
One peers for day, the other gapes for night,

.
That yawning Beldam with her jetty fkin,
'This she I hug as mine effeminate bride,

For such complexions beft appease my pride. r) Die Spanish tragedie von Kyd, die von den Litteratoren

fast inimer mit der älteren des Ungenannten verwechselt wird, findet sich bei Doosley, Tom. II. und aud bet sawtins, Tom. II.

So ungefeuer auch das Ganze, und ro geschmacklos und widersinnig mehrere Scenen, Gedanfen und Qusdrücke find, ro ist es doch nicht army

poetischem Jnteresse, und manche Scenen sind mit waþrbaft ros mantischer Zartbeit ausgefübre“). Merkwürdig ist in diesem Schauspiele noch besonders die tragische Darstellung des Wan finns des alten Jeronymo und seiner Gemahlin 3fabella. Vielleicht þat fie zur Entstehung eines Tbeils des Königs Lear von Gbakespear Veranlassung gegeben). Ein anderes

Erauers

.) Wer fann die romantische Anmuth der folgenden Otelle

verkennen, in welcher Koratio mit seiner geliebten Bellim perta in einem Garten sich unterbått? Horatio. Sweet, say not so: fair fortune is our

friend,
And heav'ns have shut up day, to pleasure uis.
The stars, thou feeft, hold back their twinkling shine,

And Luna hides herself to pleasure us.
Bell. Thou haft prevaild. I'll conquer my mise

doubt,
And in thy love and counsel drown my fear:
I fear no more, love now is all my choughts.
Why fit we not? for pleasure asketh ease.
Hor. The more thou fitt'ft within these leafy bo-

wers,
The more will Flora deck it with her flowers,
Bell. Aye, but if Flora spy Horatio here,

Her jealous eye will think I fit too near.
Hor. Hark, madam, how the birds record by night,

For joy that Belimperia fits in fight,
Bell. No, Cupid counterfeits the nightingale ,

To frame sweet musick to Horatio's tale.
Hor. If Copid fing, then Venus is not far:
Aye , thou art Venus, or some fairer ftar.

Uber fretlich dauert dieses Spiel zu lange, und wird am Ende vollig affectirt. ) DAS Stuc ift nur tóerladen mit Darstellungen des

Babno

1

Trauerspiel von Kind, die Cornelta, bewetset, daß er sich auch nach fremden Manteren zu bequem men wußte, und daß die dramatischen Formen, die nach Jodelle in Frankreich eingeführt wurden, auch in England nicht unbemerkt blieben; denn diese Cors nelia von Kyd ift Ueberrebung eines Trauerspiels unter demselben Titel von Garnier, einem der ersten franzdfiidhen Tragifer, die in Jodelle's Fußrapfen katen)

Durch
Mahnsinns des alten Jeronymo. Defwegen sind in der
zweiten Ausgabe alle diese Scenen abgekürzt, oder wege
gelassen. Auch die Isabella, Jeronvmo's Gemahlin,
erscheint verwirrt, d. B. in der folgenden treffitden
Otelle.
Maid. Good madam, affright not thus yourself

With outrage for your fou Horatio.
He sleeps in quiet in the Elisian fields.
Ifab. Why, did I not give you gowns, and goodly

things?
Bought you a whiftle, and whipstalk too,
To be revenged on their villainies?
Maid. Madam, these humours do torment my soul.
Ijab. My soul, poor soul - Thou talk'st of things
Thou know'ft not what My soul hath filver wings.
That mnount me up unto the highest heaveus :
Tho heaven , aye, there fits my Horatio,
Back'd with a troop of fiery cherubims
Dancing about his newly - healed wounds,
Singing sweet hymns, and chaunting heavenly notes:
Rare harmony to greet his innocence,
That died, aye died, a mirror in our days.
But say, where shall I find the men, the murderers,
That New Horatio ? Whither shall I run.

To find them out, that murdered uy fon?
a) 8. Aber Garnier den fünften Band dieser Sei
rohichte der Poesie und Beredsamtett, S. 270. – Ryo's
Ueberrebung der Cornelta ist wieder abgedruckt in Doo$
ley's Sammlung, Tom. III. Bet paw tins, Tom.

Durch Nachahmung und Ueberlegung ausländis scher Schauspiele die dramatische Kunst seiner Zeits genossen in England zu vervollkommnen, gab sich bas sonders George Gascoigne růkmliche Múbe. Er hatte sich auf beiden englischen Universitäten ge: bildet, und stand als Gelehrter und geistreicher Mann in Anreben. Er überfekte aus dem Griechischen els nige Trauerspiele des Euripides, und aus dem Iras lienischen ein Lustspiel von Uriost, die Verwechse: lungen (the Supposes, im Jtalienischen I Supporiti) *). Durch die Uebersegung dieses italienischen Lustspiels lernte man auf dem englischen Theater eis nen cultivirten Dialog obne Verse kennen; die Trauers spiele aber, die Gascoigne aus dem Griechischen überregt bat, scheinen obne allen Einfluß auf die fortschreitende Bildung des dramatischen Geschmacks in Englaud geblieben zu senn.

Kurz vor Shakespear und noch mit ihm zu gleicher Zeit arbeitete für das englische Theater auch Ebris ftopher Marlow oder Marloe, ein Mann von vielen Talenten. Er hatte in Cambridge studirt, und war Schauspieler geworden. Seine Sitten sols len nicht die besten gewesen seyn. Auch als ein Freigeist wurde er verrufen, weil er über die Dreiets nig feit und andre Gebeimnisse des christlichen Glaus bens offentlich gespottet haben soll. Er farb an ei. ner Wunde, die er im Duell erhalten hatte, im Jafre 1593. Marlow würde ein noch würdigerer

Wor.

II. , findet sich nod) ein Trauerspiel, das vermuthlich von

Kyo tst. x) Vergl. den zweiten Band dieser Gesch, der Poesie :c.

S. 61. Die Supposes von Sascotgne finoca fich bet Hawtins, Tom. III.

C

[ocr errors]

Borgånger Sbakespear's gewesen seyn, wenn die Robbeit seiner Sitten nicht einen merklichen Einfluß auf die Entwidelung seiner Talente gebabt fåtte. Für die tragische Kunst war er geboren. In seinem Trauerspiele Konig Eduard II. sind die Eharafo rere und Leidenschaften mtt fråftiger Hand gezeichnet, die Situationen von Wahrheit und Interesse. Den Dialog und die Sprache baste Marlow ganz in reis ner Gewalt. Aber er vernachlässigte sein natürlis ches Gefühl für tragische Würde, das denn doch aus mehreren Stellen hervorblicft. . Er glaubre, das tragische Pathos verstårfen zu fónnen durch eine frappante Darstellung gemeiner und niedriger Leidena schaften in ihren befrigsten Ausbrüchen. Seine ganze. Manter hat eine zurückftoßende Hårte. Ben sonders stechen alle Fehler, in denen dteser Schaus spieldichter, wie es scheint, sich selbst gefallen fat, in seinem Juden von Malta (the Jew of Mal. ta) bervor, einem Trauerspiele, dessen Intrigue sich um die Greuelthaten eines jüdischen Wucherers bes wegt, der durch einen Machtspruch der Regierung auf ein Mal seines ungebeuern Vermögens beraubt ist, und nun fein Mittel scheuet, seine glúbende Rachsucht zu befriedigen. Gleichwohl find selbst in diesem widrigen Trauerspiele, das mit Sbafespear's Juden von Venedig faum eine entfernte Dehnlichkeit bat, die Zuge des Genies und die Unnåberúng zu der Manier Skakespear's nicht zu verkennen. In

der

y) lim die auffallende Aehnlidtelt der Manieren Marlow's

und Shakespear's durch ein Beispiel anschaulich zu mas chen, wähle ich den Monolog, mit welchem der Günst. ling Gaveston Marlow's historisches Trauerspiel Rts chard II, erdffnet.

“My

[ocr errors]
« ZurückWeiter »