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Was endlich den Tert des heil. Thomas betrifft, so scheint dieser nicht ächt zu seyn, indem er in drei alten Eremplaren nicht zu finden ist. Pius V. ließ ihn aus der römischen Ausgabe ausmerzen, und in den Pariser Ausgaben von den Jahren 1529 und 1532, und in der von Venedig vom Jahre 1555 sagt der heil. Lehrer Thomas (1. dis. 44. q. unic. art. 3 ad 3.) „Die Reinheit der seligsten Jungfrau war so groß, daß sie rein von der Erbund wirklichen Sünde war."

Aus dem Angeführten, und daraus, daß nach dem Zeugniß Aegidii a Praesentatione (de praeserv. Virginis q. 6, art. 4.) alle geistliche Orden, und selbst aus dem Orden des heil. Dominicus 137 geistliche Schriftsteller gegen 92, die sich in diesem Orden für die entgegengesetzte Sens tenz aussprechen, die Sentenz der unbefleckten Empfängniß Maria annehmen, werde ich bewogen mit Papst Benedict XIV. in seinem sehr gelehrten Werke von der Heiligsprechung (lib. 1. c. 42) zu sagen: „daß die Sentenz der unbefleckten Empfängniß Mariä moralisch gewiß ist;" auch sage ich mit diesem gelehrten Papste in seinem geschäßten Werke commentarii duo de D. N. Jesu Christi matrisque ejus, festis (Patavii 1753) pag. 322: „Schließen wir also aus der Sentenz, zu der sich die Kirche selbst hinneigt, die auf allen katholischen Universitäten angenommen ist, die der zärtlichen Liebe und Andacht der Gläubigen gegen die seligste Jungfrau entspricht, daß die seligste Jungfrau vor der Erbsünde bewahret, und rein von aller Sünde empfangen worden ist. Und es geziemte sich gewiß, daß der Gott der Reins heit und der Heiligkeit, als er die Mutter, die er so sehr liebte, erschuf, sie rein von aller Sünde, heilig und unvers lezt erschuf.“

Nach dieser Auseinandersegung wird es wohl nicht weis ter nothwendig seyn, den Herrn Erzbischof von Cöln deß

halb zu rechtfertigen, daß er den erwähnten Saß VIII. den neu geweihten Priestern zur Unterschrift vorlegen ließ,

Vorstehende Abhandlung hatte ich bereits beendiget, als mir ein Mann von seltener Gelehrtheit den 58. Band der Zeitschrift „Der Katholik“ in die Hand gab, und einen von ihm verfaßten Aufsaß,,über die unbefleckte Empfängniß der allerseligften Jungfrau und Gottesmutter Maria,“ der sich dort S. 24 ff. befindet, zeigte. Dieser Aufsatz ist sehr bemerkenswerth. Es wird in demselben die Behauptung eines Ungenannten, als sey der Glaube an die unbefleckte Empfängniß Mariä eine bloße Schulmeinung der Bettelmönche, vollständig widerlegt, von demselben unrichtig angeführte Stellen werden berichtigt, und die Allgemeinheit des Glaubens an die unbefleckte Empfängniß, unter Anderm, aus vielen Zeugnissen der hh. Väter nachgewiesen. Schön zeigt der Verfasser des ers wähnten Aufsages auch dem Ungenannten, wie irrig dieser das in den oben angeführten Worten Papstes Benedict XIV.: „Es geziemte sich gewiß, daß der Gott der Reinheit und der Heiligkeit, als er die Mutter, die er so sehr liebte, ers schuf, sie rein von aller Sünde, heilig und unverleßt erschuf" enthaltene Argumentum congruentiae, dessen sich Scotus bediente, als unzureichend bezeichne. Trefflich wird in dem Aufsaße, am Schluffe desselben, gesagt: „alle hh. Väter haben das Argumentum congruentiae jeder Zeit in göttlichen Dingen nicht nur als zureichend, sondern als schlagend angenommen, wie der heil. Augustin auch durch diese Regel lehrt: quidquid tibi vera ratione melius occurrerit, scias, hoc Deum magis fecisse, quam non fecisse. Selbst Tertullian gebraucht diesen Beweis gegen die Keßer; am stärksten aber findet man ihn bei Leo dem Großen, Fulgentius, Anselm, Augustin. Die Kraft desselben tritt besonders hervor, wenn das Gegentheil etwas Sündhaftes, für Gott Unziemendes mit sich führt. Daß die höchste Heiligkeit, der Sohn Gottes, Fleisch angenommen haben

soll von einer Jungfrau, die, wenn auch nur für einen Augenblick, eine Sclavin der Sünde war, ist wahrlich Gottes Eigenschafen nicht angemessen, vielmehr denselben, nach unsern Vernunftbegriffen unwürdig; mithin schließe ich richtig, da das Wollen und Können bei Gott eins ist, daß, da er dieß Unwürdige nicht thun könne, das Gegentheil gethan habe. Und diese Beweisführung scheint Hermes selber ans zunehmen. „Begreife ich, daß irgend ein Wollen, Thun oder Lassen durch seine Unwürdigkeit schon mit dem Analogon einer göttlichen Eigenschaft, was ich im Menschen vorfinde, und wovon ich deßwegen einen Begriff habe, im Widerspruch stände, so daß ein vollkommener Mensch nicht so handeln könnte; so würde ich ein solches Handeln unter denselben Umständen um so mehr dieser göttlichen Eigenschaft unwürdig, und sonach ihr widersprechend halten müssen; und ich könnte schließen: Auch Gott kann unter solchen Umständen nicht so handeln.“

Pulchra tota sine nota
Cujuscumque maculae,
Fac nos mundos et jucundos
Te laudare sedulè.

(Ex hymno Sancti Casimiri ad B. V. Mariam.)

IX.

Zur Feststellung des Begriffes

-

der

Disciplina arcani

und zu ihrer

Rechtfertigung.

Anlaß zu nachfolgenden Erörterungen giebt eine Beurtheilung der diesen Gegenstand betreffenden Schrift des Herrn Dr. Toklot, aus protestantischer Feder geflossen und in No. 1 der Ergänzungsblätter zur Allgemeinen Fitt. Zeits ung von 1837 zu lesen. Diese angebliche Kritik zeichnet sich aus durch den Fleiß, im hohen, vornehmen Tone der katholischen Wissenschaft einen Zustand anzudichten, bei dem leßtere nichts hervorzubringen vermöge als Chrieen über einen Tert, den nicht nur ein gestrenger Präceptor gegeben, sondern von dem, wie von verwandten Grundprinzipien, auch nur um eines Fingers Breite abzuweichen, bei harter Pön gemessenst untersagt hat. Wie bei jeder Chriee; so soll auch hier der Verfasser ein bloßer Lehrling seyn, der Lehrling eines alten Pedanten, dem - es werden darunter die Kirche und ihr Oberhaupt verstanden es noth thut, selbst erst in die Lehre zu gehen, bei dem viel geistreicheren Epigonen, dem Protestantismus, ohngefähr eben so, wie das junge Deutschland vermeint, sämmtliche Notabilitäten neuerer Kunst und Wis

senschaft müßten, um eine ihr noch immer anklebende Phis listerei gänzlich abzuthun, erst sich in die Schule begeben bei den genialsten der neueren Choragen des Neogermanismus.

Wirklich haben die Katholiken, wo sie das Feld der Wissenschaft betraten, nur zu lange geschwiegen gegen die sich daselbst mit einfindenden Protestanten. Hätten sie Lärm machen wollen, oder sie nur einigermaßen in Positur segen; längst würde sich ergeben haben, daß jene sich zum Katholizimus kaum anders verhalten, als das junge Deutschland mit seiner chimärischen Genialität zur begründeten Wissens schaftlichkeit anerkannter, grundlegender Geister. Jenem jungen Deutschlande ist nichts verhaßter, als eine ihm vor angegangene echt wissenschaftliche, darum aber unerschüt terliche, Grundlegung. Denn diese verpflichtet zur wissenschaftlichen Demuth. Deshalb fehlt überall, wo wahre Wissenschaft mangelt, auch die Demuth, und es ist ein die Unwissenschaftlichkeit niemals verlassendes Merkmal, daß sie, voll des Hochmuths, sich rühmt, kein Fundament zu bedürfen, weil sie mit angeborner oder ausgebildeter ikarischer Genialität, unmittelbar der Sonne der Wahrheit, entges genzufliegen verstehe.

Aber theilen diese ikarische Gesinnung nicht die meisten Nepräsentanten der protestantischen Theologie? Sie schelten, ganz wie das junge Deutschland, über den ehrwürdigen Vorgänger, ich meine die katholische Wissenschaft. Sie verlachen diese mit unverzeihlichem, aber schon einem schweren Gerichte ents gegengehenden Hohn und Hochmuth. Denn noch fröhnen sie dem verjährten Wahn von einer Erkenntnißwahrheit, die zugleich Fundament sey für den Menschen; auch es seyn müsse, und das, weil es die beiden Eigenschaften der Wahrheit und der Fundamentalität vereinigt, welche der Sterbliche nicht verlassen dürfe. Die katholische Lehre und Wissenschaft sagt ganz einfach und mit schlichter Consequenz: sobald du die Noth wendigkeit einer göttlichen Grundlage für den Menschen und

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