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Liebes- Theorie des modernen Geistes zu einer Art langen Fegfeuers im vielstufigen Mittelreich. Die materielle Bibel, Amulete und andere Besprechungen werden ein Surrogat, und gewissermassen ein Antidotum gegen den verschrienen Aberglauben der Weihen, Segnungen, Sakramentalien und Sakramente der Kirche. Der böse Feind wird nicht minder durch Pastoren und Prediger des Wortes gebändigt, durch Glauben und Gebet der Gemeinden ausgetrieben, als die alte Kirche das von ihrem Erorcismus prätentirt; auch wird mit der neuen probaten Geistesmacht auf Heren Erekution gehalten. Man vernimmt Ansprechungen der Geister und Brüder aus unbekannter Ferne, man erkennt in Visionen und Zeichen wen man heirathen soll, wen der Geist in seiner Führung zu Mann und Frau erkiesen. Und so noch viele neue Wunder und Zeichen, die wir hier nicht weiter herseßen wollen.

Wo das Alles geschieht, und mit solcher breiten, ruhmredigen Emphase frisch und hoch zur Schaue getragen wird; da sollte doch nun auch der Geist, ja der rechte Geist, die Wahrheit selber seyn! So dünft man sich mit seinem Geiste in sich selber selig, unabhängig und geborgen. Mag nun Luther gelehrt haben, und selbst geirrt, wie er will; auch als Rüstzeug Gottes war und blieb er doch immer Mensch. Nicht Luther ist es ja, der da zum Glauben führt. Der Geist und die Gemeine aus allen lieben Seelen sprechend ihr Evangelium, der und erbaut, das ihr Bibelchristus im Geist!

Hier fühlt (wähnt) man sich mit allen diesem gegen die Macht der katholischen Wahrheit, und deren Stachel (die Wissenschaft ruht ohnehin bei vielen Formen dieser Compagnie ganz, oder ist gar verpönt) nicht blos gehörig gesichert; man geht vielmehr im Eifer für den Geist schon weiter. In stroßender Selbstgenügsamkeit und neidischer Liebe zugleich schaut man znerst mit erkünfteltem Mitleid auf

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die alte Kirche herab, die, erfüllt mit verlegenem Unrath, und umbaut mit Aberglauben aller Art, vom neuen Geiste noch nichts wissen will. Dann träumt man sich, und seis nem Wirken bald goldene Zeiten; die evangelischen Kapellen in Rio - Janeiro, Lissabon, Neapel, Rom, die Bibelbrüder Frankreichs, die asiatischen und afrikanischen Missionen, die Laumelchristen über der Atlantis, die inspirirten Handelsgeister der Südsee; sie Alle greifen den Katholizismus im Herzen an, so daß er sicher bald zu Grabe geht. -! Da aber, jene im Hirn gebrüteten und ins Papier ausgelaufenen Träume sich unterdessen noch nicht verwirklichen; so weiß man mit resignirter Kaltblütigkeit, und mitleidiger Theilnahme nun davon zu kosen, wie man doch die rechte Mitte zwischen den Extremen in sich und seinem Geiste ges funden habe. Sattsam und auf langehin wähnt man über die Kirche die Hegemonie nicht bloß sich gesichert zu haben; sondern aus ihrem Lager mindest doch noch täglich, seys auch nur im kleinen Kriege, sich zu mehren. Wo man überdieß sich politischen Einflusses und Gewalt bedienen kann, werden sie unversäumt und in mehr als gemeiner Liebesweise angewendet, und ausgebeutet; so daß uns aus gewissen Ursachen hievon nicht mehr weiter und umständlicher zu reden am geeignetsten scheint. Wir wollen nur auf jes nen Hebel hinweisen, der so Manches schon gegen die Kirche erhob, und es doch nicht leiden mag, daß man von ihm rede; wähnend er sey damit selber ignorirt und ungestört in seiner Arbeit, wenn die Leute ohne über ihm ferner laut werden zu dürfen, seinem unterwühlenden gehäßigen Treis ben mit Schweigen -? zusehen.

Solchermaßen verhält man sich gegen die katholische Kirche. Auf der anderen Seite tritt diese Parthei, an sich seltsam genug, wenigstens in mehreren ihrer Nuançen dem Rationalisten auf's schroffste entgegen. Hier erhärtet sie mit ihren Erscheinungen das vom Rationalismus theilweise

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geläugnete Hereinragen der Geisterwelt in die unsre; zieht teleologische Schlüsse, und will demselben mit der allvers geltenden Gerechtigkeit des anderen Lebens die winterhellen, ruhigen Tage seiner Zone trüb und heiß machen. Durch hundert und abermal hundert leblose und lebende Mittel macht man die Herzen weich; dann spart man wieder nicht die Donner Gottes, und dünkt sich bei allem dem als wuns dergroßen Zeugen und Kämpfer für die Wahrheit. Man träumt sich nicht einmal, daß die Verdammniß, die man über den theoretischen und praktischen Rationalismus ausspricht, hier wider den Verwerfer selbst zeugt, auf den Nichter selbst zurückfällt.

So ist diese Parthei, von deren vielen Tropen, und mitunter sich selbst widersprechenden Formen, wir nur einige markante Züge anführen wollten. Wir wollen zwar mit der liebreichsten Gesinnung, welche uns hierin möglich ist, glauben, daß troß dem hie und da die Privatmeinung Einzelner eben so lauter, als ihr objectiver Halt und Werth an sich schlecht sey. Sicher ist uns dabei, daß dies Alles nur wieder eine Finte des Bösen, eine neue Windung und Abkehr der alten Schlange vom wahren Centrum weg, zur verderbenden Täuschung der Menschen ist. Die Erscheinungen der Geister, die mitunterlaufenden Selbstanklagen des Bösen, die Desavouirung seiner offenen Genossen, die Frömmeleien der Dillettanten, Alles das, was Weiblein, vers schrobene, schwache und eitle Geister geblendet und verführt, kann uns nicht irre machen, hier nur wieder Das zu ers blicken, wogegen der Apostel II. Cor. 11, 13. 14 warnt, und was Allioli trefflich also commentirt: „Der Satan bes thört unter dem Scheine der Wahrheit und Frömmigkeit die armen Menschen, um sie desto leichter zu seinen Opfern zu machen." (Schluß folgt.)

Homilienkranz für das katholische Kirchenjahr. Von Joh. Emanuel
Veith, Domprediger an der Metropolitankirche zu St.
Stephan. Wien, 1837. Verlag von Mayer und Comp.
Zweiter Band, S. 328. Dritter Band, S. 313.

Im Septemberheft dieser Zeitschrift vom Jahre 1837 hat Rez. in gedrängten Zügen eine Charakteristik dieser geistreichen und mitunter salbungsvollen Predigten zu geben versucht. Hier glaubt er nur noch beifügen zu dürfen, daß er bei dem Lesen der zwei oben angegebenen Bände in erhöhe tem Grade die Begründung seines frühern Urtheils gefunden hat. In Beziehung auf deren Gebrauch zu eigenen Kanzelvorträgen, ist jedoch zu bemerken, daß, wie bei allen Musterpredigten ein tief eingehendes Studium in den Geist und die Darstellung des Verfassers nothwendig ist, dieß bei den Homilien des berühmten Dompredigers Veith durchaus nicht vernachlässigt werden dürfe. Nur nach einem solchen ernsten Studium kann ein geeigneter Gebrauch davon gemacht werden. Namentlich sind sie sehr geeignet für den kende Prediger, um daraus die Denk und Handlungsweise besonders der sogenannten Gebildeten, die aber gewöhnlich die Verbildeten genannt zu werden verdienten, kennen und mitunter zurecht zu weisen zu lernen. Doch muß auch die Warnung beigefügt werden, daß selten so ganz in den Humor des Herrn Veith eingegangen werden dürfe, weil dieses eine sehr seltene Gabe ist, und auch ein seltener Gebrauch davon den meisten Predigern anzuempfehlen seyn möchte, da er selten glücklich ausfällt, und noch seltener eine gute Wirkung hervorbringt. Das ist eine eigene Gabe, die auch eigens benußt werden will.

Von den zwei vorliegenden Bänden erhält der zweite Band Predigten: Am ersten bis sechsten Sonntag nach Ostern. In der Bittwoche I. und II. - Am Pfingstsonntage. Am Feste der heiligsten Dreieinigkeit. Dann vom ersten Pfingstsonntage bis zum neunten. Der dritte

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Band: Predigten vom zehnten bis leßten Sonntage nach Pfingsten. In Beziehung auf die Inhaltsangabe wäre zu wünschen, daß nicht blos die Sonntage, von welchen die Predigten in dem resp. Bande stehen, sondern auch die Gegenstände der Predigten angegeben wären. Der Inhalt, wie er jezt am Ende eines jeden Bandes steht, gewährt durchaus keine Ein- und Uebersicht.

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Lebensbeschreibung des Dr. B. Bolzano, mit einigen seiner ungedruckten Aufsäge und dem Bildnisse des Verfassers, eingeleitet und erläutert von dem Herausgeber. Sulzbach, in der J. E. v. Seidelschen Buchhandlung, 1836.

Dieses Werk ist hauptsächlich zu dem Zwecke, um das in dieser Zeitschrift rezensirte, vier Bände starke Lehrbuch der Religionswissenschaft von Dr. B. Bolzano zu empfehlen und zu verbreiten, herausgegeben. Vergleiche S. XXIII. „Es handelt sich ihm (dem Herausgeber) hauptsächlich um die Popularisirung des von Herrn Bolzano verfaßten Relis gionslehrbuches." Und es ist nicht zu verkennen, daß der Herausgeber diesem Zwecke alle nur mögliche Mühe gewidmet hat, indem er eine 26 Blätter feinen Druckes, umfassende Vorrede darbietet, worin Herr Bolzano sowohl in wissenschaftlicher, als religiös-moralischer und politischer Nücksicht, gleichsam als Wundermeteor seiner Zeit, ja S. XLVIII. sogar ausdrücklich als „Martyrer“ hochgepriesen wird. Das genügt indeß dem Herausgeber zu seinem Zwecke noch nicht; der Gedanke: ein so hochgefeierter Lehrer muß auch würdige Schüler haben, bemächtigt sich ganz enthusiastisch seiner Seele ; und nun beginnt er, sich über das goldene Sprichwort: propria laus sordet erhebend, des Angebeteten Schüler, deren auch Er einer ist, mit nicht zu verkennender Bereds samkeit in Glanz zu stellen. Vergl. S. XLVI. bis Ende.

Das wären etwa die positiven Kriterien zum Zwecke der Popularisirung des Religionslehrbuches, wovon „erst noch

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