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schaften und die wirkliche Aufnahme in dieselben hemmt also die Wirksamkeit des eigenen Seelsorgers; sie entfremdet und raubt ihm seine Pfarrkinder und erzeugt in diesen nicht selten Gleichgültigkeiten gegen den Gottesdienst in ihrer Pfarrkirche, oft auch blinden Tadel desselben und einen Hang nach außerordentlichen, aber unwesentlichen Andachtsübun gen. Solche auswärtige Bruderschaften befördern dann nicht nur nicht die Frömmigkeit und christliche Liebe, sie sind manchmal sogar ein wirkliches Hinderniß der wahren Got tesfurcht und führen leicht zu Selbstdünkel und scheinheiligem Wesen. Man sollte darum das Einschreiben in solche Brus derschaften nicht begünstigen. Mögen auch die Einkünfte einiger Pfarrstellen dadurch geschmälert werden das Geld ist ja der Güter höchstes nicht, noch auch darf es heißen: Quaerenda primum pecunia est; virtus post nummos. In dem Falle könnte man höchstens hievon eine Ausnahme machen, wo die Bruderschaft dem Pfarrgottesdienst durchaus keinen Nachtheil brächte und etwa nur in Verrichtung gewisser Liebesdienste während des Lebens oder nach dem Hinscheiden der einzelnen Mitglieder bestände.

Wollte man nach diesen Grundsäßen bei der Errich tung neuer, oder der Umänderung schon eingeführter Bruderschaften verfahren: so würde man in ihnen ein treffliches Mittel zur Begründung eines echt christlichen Sinnes und Wandels, zur Einschränkung und Dämpfung herrschend gewordener Laster und Unittlichkeiten finden. Schwerlich ließe sich wohl ein geeigneteres Mittel auffinden, dem Leichtsinne, der Vergnügungs- und Spielsucht, der Unkeuschheit und dem Burus zu steuern. Seine Anwendung und Ausführung möchte zwar mit vielen Schwierigkeiten verbunden seyn und auf mancherlei Hindernisse stoßen. Doch was vermag nicht ein guter Wille, ein lebendiger Eifer für die Sache Gottes! Was vermag nicht die beharrliche Ausdauer und der besonnene Muth eifriger Seelenhirten! Mit Gott ist uns Alles möglich!

IV.

Ueber das

Cansalverhältniß des Vaters und seines eingebornen Sohnes zur Schöpfung,

nach dem heil. Paulus 1. Cor. VIII. 6.

Wer sich wagemüthig auf der See theologischer Spes culationen herum treibt, halte die zwei festen Pole, die authentische Aussage der Apostel und das Bekenntniß der Kirche fest im Auge, dann wird er die Abgründe und Klippen vermeiden, denen Arius, Nestorius, Eutyches und Andere ihre verrufenen Namen aufgedrückt haben.

Wenn schon, nach dem bildlichen Ausdrucke des heil. Paulus, Gott in einem unzugänglichen Lichte thronet, so sprach sich doch dieser Heilige sicher über das Causalverhältniß der zwei ersten Personen der Trinität zur Schöpfung, ganz categorisch aus. Es soll zwar, was ein Gottbegeisterter vermochte, den frommen Forschgeist seiner Gläubigen eben nicht zur Nachahmung und zu weiteren Schritten versuchen; allein es ist ihm doch erlaubt, sich mittelst einer analytischen Verstandes' Operation das zu vers deutlichen, was das berufene Werkzeug göttlicher Offenbarung in einem synthetischen Saße über das TrinitätsVerhältniß zur Welt kund gethan hat. Sind die Magazine der Wissenschaften und Träume mit dicken Folianten über

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Raupen und anderes Gewürme bereichert, so entehrt sich gewiß der bescheidene Denker nicht mit einigen Reflerionen über Gott, mit dem doch, dem Geiste nach, der Mensch näher verwandt ist, einige Spalten einer theologischen Zeits schrift zu füllen.

Ehe wir uns aber der in der Aufschrift angedeuteten Aufgabe zuwenden, wollen wir, uns selbst zur Warnung, einige philosophische Wahrheiten vorausschicken.

Das Daseyn Gottes ist ein Factum übersinnlicher Art. Uebersinnliche Facta beruhen zuleßt auf angebornem Glauben (Ahnungen des sittlichen Bewußtseyns) oder auf göttlicher Offenbarung. Denn der menschliche Verstand waltet nur in der Sinnenwelt, als seinem Gebiete. Da mag er aus sicher begründeten Factis mittelst eines logischen Mechanismus andere ohne diesen verborgene Facta dem Bes wußtseyn nahe bringen. Aber mit übersinnlichen Factis ist es nicht so; wir haben keine Gewährschaft, daß noch im grenzenlosen Reiche der höheren Vernunft- und Geisterwelt das Prinzip unseres Denkens so heimisch und legislatorisch sey, wie in der Welt der Erscheinungen. Vielmehr hat die Kritik der reinen Vernunft, oder vielmehr des reinen Verstandes aus den Antinomien und Antagonismen dieses Vers mögens sogar das Gegentheil offen kundig gemacht. Sie hat in Beispielen dargelegt, daß der Verstand, wie er immer seine Antwort auf Fragen übersinnlicher Art in drockenes Ja oder Nein faffe, immer zu viel oder zu wenig sage. Dagegen ist es wohl gestattet, durch blose logische Analyse eine reine biblische Wahrheit in ihren einzelnen Bestandtheilen zu entwickeln. Auf diesen Beruf beschränken sich auch einzig die folgenden Betrachtungen über die Worte des heil. Paulus 1. Cor. VIII., 6.,,So haben wir doch einen Gott, þen Vater, von dem Alles gemacht ist, und wir für ihn, und einen Herrn Jesus Christus, durch den Alles gemacht ist und wir durch ihn."

Es bedarf nur der schlichten Fassung des Grammatikalfinnes dieser scharf bestimmten Worte, um im Spiegel des Glaubens den Wiederschein und Abglanz jenes Lichtes zu erblicken, vor dem die Engel in das Entzücken der Anbes tung versunken, ihr Antlig bedecken. Von Gott dem Vas ter ist Alles, und wir für ihn." Es muß doch wohl seinen tiefen Grund haben, daß unterscheidungsweise der Vater gewöhnlich „Gott" und der Sohn meistens der „Herr“ benannt wird. In der Wesenheit soll und kann dieses allerdings keine Verschiedenheit bezeichnen; Relationen aber finden wir darin angedeutet. Gott dem Vater wird vors zugsweise der intelligente Causalgrund der Schöpfung beigelegt. Er ist der außerweltliche, freithätige Schöpfer des Universums. Von ihm und nicht aus ihm ist Alles, was gemacht ist. Die christliche Trinitätslehre schließt sich auf das Bestimmteste ab von aller spinozistischen Emanation, wie immer sich diese verführerische Ansicht von den ältesten, bis zu den neuesten Denkern unter mancherlei Formen und Gewändern ausgesprochen hat. „Und wir sind für ihn.“ Das Wörtchen „Für“ bezeichnet einen Zweckbegriff. Gott, als das höchste Gut, konnte kein anderes, als sich selbst zum Zwecke der Schöpfung haben, die Offenbarung seiner Herrlichkeit, die, wenn noch so unvollkommene, Wiederstrahlung seiner unendlichen Attributen. Hier gewinnt die höchste Gnade und weiseste Güte den Schein der höchsten Selbstsucht. Ist aber die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes lehter Zweck der Schöpfung, so muß es vernünftige Geschöpfe geben, diese Herrlichkeit zu erkennen und zu preis sen. Es gäbe ohne diese Subjekte, diese dazu empfänglis chen Wesen in der That noch keine Manifestation Gottes und seiner der Welt zugewendeten Attribute. Da der heil. Paulus bestimmt sagt, Alles sey von ihm gemacht, so fällt das Wort „Machen" hier mit Schaffen" zusammen. Denn die Ausdrücke: "Zeugen, Bilden und Wirken," be

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ziehen sich lediglich auf vermittelte Formationen aus bereits vorhandenen Stoffen. Da aber Alles" vom Vater gemacht ist, so sind auch von ihm vollständig alle Bedingungen der Dinge und ihrer Veränderungen.

Der einzige Anstand meldet sich hier, ob die Weltschöpfung, zwar allerdings nicht Ausfluß, sondern That Gottes, ob, sagen wir, diese That auch eine Handlung, das Werk seines freien Gedankens, und nicht einer seiner Wesenheit nothwendig inherirenden Actuosität sey; einer Actuosität, die sich von einem idealen Spinozismus und einer blinden Fatalität kaum unterscheiden ließe. Allein dieser Anstand schwindet, wenn wir ihn in die Nähe und Verbindung mit dem ersten Verse der Schöpfungsgeschichte bringen; da heißt es: im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Nur der freie Wille gebiert die Zeit, die Nothwendigkeit hat die Ewigkeit zur Mutter, und der Schöpfungsproceß nach dem Begriff einer blinden, nothwendigen Actuosität kann keinen Anfang haben. Absoluter Anfang und freie That sind identisch; frei handeln, heißt von Etwas einen absolu ten Anfang sehen. Das Verhältniß Gottes, des Vaters, zur Welt, ist demnach in diesen Saß zu fassen: er ist der unbedingte, freithätige und persönliche Grund der WeltSubstanzen.

Wie verhält sich nun zu diesem der zweite Sat: „Und wir haben einen Herrn Jesus Christus, durch den alle Dinge find, und wir durch ihn." Der Begriff absoluter Grund der Dinge bei dem ersten Sah, will demnach nur auf die vollständig zureichende Allmacht bezogen werden, schließt aber nicht die Einwirkung des Sohnes auf den Willen des Vaters aus, die hier im zweiten Saße als positiv ausges sprochen wird. Denn das Wörtchen,,durch" bezeichnet entweder eine mechanische Vermittlung durch ein Werks jeug, ober eine geistige durch Einfluß eines Willens auf

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