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zur Schule hinausgetrieben waren1). Da aber der Subrektor von Pirmasens ein öffentlich aufgestellter Lehrer ist, so müs, sen wir ihm auch offen erklären, daß es der Konstitution ents gegen sey, solcher Unduldsamkeit gegen eine nicht bloß tolerirte, sondern auf alle Weise garantirte Religionsgesellschaft sich theilhaftig zu machen 2); sich Eingriffe in die Gewissensfreis heit der jungen Katholiken, unter dem Titel seines Lehramtes, zu erlauben; seine Unterrichtsauktorität und Lehrgewalt dazu anzuwenden, daß er katholische Schüler das auswendig lernen läßt, was sie selbst beschimpft, ihren Glau ben verhöhnt und als Trug hinstellt, sie und ihre Eltern als dumme Menschen vor ihren Lehrern und Mitschülern brandmarkt, und sie mit allen übrigen Katholiken der Vers

1) Einer der fühlbarsten Mißstände, namentlich für die Katholiken

des Kreises, ist besonders der Mangel einer tüchtigen (kathol.) höheren weiblichen Anstalt. Die Summe Geldes welche für diesen Zweck nach Mannheim, Straßburg, Offenburg, Mez u. a. D. aus dem Kreise geht, verdient allerdings angeschlagen zu werden. In jeder Hinsicht ungenügend ist, was die Pfalz dazu bis jezt aufweisen kann. Darum möchte es eben so in der Weisheit und väterlichen Fürsorge Seiner Majestät liegen, die Pfalz irgendwo mit englischen Fräulein, oder einem ähnlichen religiösen Institute zu beglücken; als es die Pflicht der Kreisbewohner, an jenen Orten wo eine solche Anstalt zweckmäßig und thunlich ist, seyn muß, sich um diese in materieller, wie noch mehr in moralischer Beziehung große Wohlthat, thätig zuvor zu bewerben. Denn es hieße beinahe zu viel gefordert, daß Seine Majestät die Wohlthaten aufdringe.

2) Sollte aber die pädagogische Befangenheit von Pirmasens das aus Volger von uns Mitgetheilte für baare Wahrheit halten, und ein solches Lehrbuch darum gewählt haben, so bedauern wir die Schule, welche mit solchem Personal beseßt ißt, und könnten nur den guten Rath ertheilen: mit Niederlegung des Präzeptorstaabes in bayerischen Landen sich um die Stelle eines norddeutschen Zeis tungsschreibers c. umzusehen.

Katholik. Jahrg. XVIII. ft. v.

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achtung preis gibt. In jedem Falle sollten wir Katholiken auch auf Toleranz von dem Herrn Subrektor Anspruch machen dürfen, da wir doch auch dem Lande angehören, wo er und Manche seiner Gesinnung eine so große Toleranz finden.

Was sollen wir zu einer Schule sagen, von der wir berichten müssen, daß als die Geschichtslektion über die Reformation von den katholischen Schülern hergesagt werden sollte, diese, weil sie doch die Blasphemien gegen ihren eigenen Glauben auszusprechen noch zu gut waren, und anderseits auch gegen das Lehransehen des Herrn Subrektors sich nicht verfehlen, und etwa sich dessen Ungnade nicht zuziehen wollten, aber auch zugleich zu schwach im Glauben oder Wissen waren, offen dem zu widersprechen, sich (wie wir aus guter Quelle wissen) dabei anstellten, als hätten sie ihre Lektion nicht gelernt ?

Würde man etwa beabsichtigen, Heuchler aus der Jugend heranzuziehen, so wüßten wir kein besseres Mittel hiezu. Denn man sey doch nicht so verblendet, um zu glauben, daß man hiedurch die für Alles so empfängliche, aber auch schon scharf aufmerkende Jugend zum Protestantismus befehre; falls man nicht etwa, wie das in der Pfalz bei Manchen praktisch der Fall ist, Protestantismus und positive Glaubenslosigkeit und Indifferentismus für und gegen Alles mit Ausnahme des Katholischen für synonym auffaßte. Ein Faktum, welches, auf der historischen Basis des Calvinismus und dessen Entwicklung beruhend, ganz natürlich ist.

Wir wollen kurz, aber allseitig die Folgen erwägen, welche auf die katholische Jugend überhaupt die Herabseßung ihrer Religion in lateinischen und gemischten Schulen haben wird und kann. Ein Theil derselben, leider zwar der kleinste, der von Hause oder von Geistlichen aus, religiös erhalten und gründlich unterrichtet ist, wird durch diese Verhöhnung

ihres Glaubens in öffentlichen Anstalten nur noch fester und härter im katholischen Bekenntniß. Sie müssen um so tiefer jenes Sinnen und Treiben verabscheuen, welches ihren seligs machenden Glauben von früher Jugend zu untergraben strebt, und das sie gleich bei der ersten Bekanntschaft mit demselben, mit dem Vorhandenseyn verschiedener Religionen feindlich berührt. Sie müssen jenen Lehrern mißtrauen, ja sie flies hen, welche sie nur beschäftigt sehen ihren Glauben verächt lich zu machen, und damit bei ihnen zu erschüttern, welche die größte Wonne in Beschimpfung desselben an den Tag Legen, welche nie unterhaltender und redseliger find, als wenn es über den Papismus irgendwie hergeht. Auf solche Schüler wird darum auch ein solcher Lehrer nie verführenden Einfluß haben. Daher die Erscheinung, daß gerade aus solchen gemischten Schulen mitunter die entschiedensten Katholiken hervorgehen, welche dem Protestantismus viel schärs fer und schneidender entgegentreten, als Viele aus ganz katholischen Gegenden und Anstalten. Wie könnte es auch ans ders seyn; haben sie doch dies Wesen in allen seinen Zügen und Machinationen in der Nähe, und aus eigener, mitun ter bitterer, Erfahrung kennen gelernt, und wurden in die Herbe der Controverse schon von der ersten Jugend an hins eingezogen.

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Doch solche, denen die gemischten Anstalten unter ihren Lehrern mit Gottes Gnade zum Läuterungsprozeß und zur entschiedensten Entschiedenheit dienen, sind, wie gesagt, die kleinste Zahl. Eine viel größere Menge erhält dadurch eine ganz andere Richtung. Protestanten werden sie nicht1); die

1) Denn seitdem unter bayerischen Auspizien unsere gemischten Gymnasien, lateinische Schulen und Schullehrerseminar blühen, wissen wir erst von einem Schullehrercandidaten und von einem Gymnasiasten, welche formell protestantisch geworden wären. Der Gymnasiast wurde von den Pietisten vor einigen Jahren verführt, resp.seine natürlicheGeistesbeschränktheit zur gänzlichen Verwirrung

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Religion geht vielmehr ganz zu Grund! Man bedenke, welchen Eindruck es auf den zarten Knaben, der noch ganz auf das Lernen angewiesen, und des Selbstentscheidens und Prüfens kaum fähig ist, machen muß, wenn er das, was Eltern und Priester ihm als Wahrheit einprägen, dort in den weiteren, höheren Schulen als Lüge verwerfen hört; wenn ihm in dieser Stunde die alleinseligmachende Lehre des Glaubens vorgetragen wird, und in der nächsten er dieselbe als Aberglaube und Wahn memoriter und recitando, noch gar also mit eigenem Munde zu brandmarken angehalten wird. Heißt das nicht auf das Mindeste die Jugend zum Lügen anlehren? Wird aber der Knabe nicht auch bald einsehen, daß Einer der beiden Theile ihn anführen und vers führen müsse! Und für wen soll er sich nun entscheiden? Wenn dies in der Gnade Gottes, und nach kindlichem Gefühle für den Glauben der Eltern geschieht 1), in welchem Lichte muß ihm dann sein Lehrer erscheinen, den er zu guter Bildung und Erziehung in jeder Hinsicht als seinen geistigen Vater achten, hochschäßen und als Muster nehmen, darum findlich lieben sollte und den er nun als seinen Glaubensfeind, als seinen Religionsverführer täglich kennen lernt? Statt sich ihm mit ganzer Seele hinzugeben, wird

mißbraucht. Als der arme, seinen protestantischen wie katholischen Mitschülern zum Gespötte dienende, denselben die Apokalypse fleißig erklärende Schüler, bis zu jenem Punkte gediehen war, daß ihm Rom und Papst als Babel und Antichrist leibhaftig galten, wurde er auf gewisse Empfehlungen hin würdig befun den, im Nürnberger Jerusalem sich Lebensmanna einzusammeln. 1) Und wie ist dieser oft unter den Präzedentien der Revolution, der Freimaurerherrschaft und ähnlicher Gräuel beschaffen! Dem Staate liegt eigentlich daran falls er nicht selbst seinem Untergange entgegen gehen wollte Kinder zu erziehen, welche im Durchschnitte religiöser als ihre Eltern, besser als das ältere Geschlecht werden.

er nun immer auf der Hut vor ihm sehn müssen, voll Miß, trauen gegen jedes Wort das über Religion, oder Geschichte, oder sonst einen hieruf bezüglichen Gegenstand aus eines solchen Lehrers Mund geht.

Und wird nun nicht, als der zweite mögliche Fall, bei sehr vielen Jünglingen die Folge seyn, daß sie unentschieden in religiöser Ungewißheit hängen bleiben? Entweder werden sie dann der geisttödtenden Zweifelsucht sich hingeben; oder, wenn bei ihnen das jugendlich -leichtsinnige Gemüth, wie gewöhnlich, die Oberhand gewinnt, wird Gleichgültigkeit gegen jede Religion, und Verachtung der positiven christlis chen insbesondere, das gewöhnliche Resultat eines solchen Unterrichtes seyn. Wirklich hat es sich auch in unserem Kreise in einer gar nicht in Abrede zu stellenden Gewißheit bewiesen, daß aus den gemischten Schulen Indifferentisten in großer Zahl, oft beim beßten Willen und Bemühen eins zelner Lehrer hervorgegangen sind.

Seßen wir nun den Fall, es käme mit der Zeit ein solcher Jüngling auch wieder zur Besinnung, er durchschaue mit Gottes Gnade, durch anderweitige Führungen, durch höheren und gediegneren Unterricht, oder eigne Geisteskraft dazu gebracht, das Irrige seiner bisherigen Richtung: mit welchem Gefühle gegen seine Lehrer, die man sonst bis ins höchste Alter gern kindlich fromm und jugendlich froh im Gedächtniß trägt, wird er beim Gedanken an die Erziehung und Bildung erfüllt, welche er bei ihnen genossen? Er wird sich sagen müssen: Die, welche mich zur Festigkeit des Charakters und Entschiedenheit des Lebens, zum tugendhaften Beamten und Bürger durch die Lehre der Wissenschaft und Wahrheit der Religion, mit Wort und Beispiel heranbilden sollten, welche hiezu den öffentlichen Beruf vom Staate her, und das Vertrauen der Familienväter hatten (oder doch legs teres haben sollten); sie waren mir entfernte oder nähere – Veranlassung zum Irrthum im Zweifel und Indifferentism,

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