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von der Welt geschlossen. Bald zwingen sie die Boesie in

1. die engern Schranken der Malerei; bald lassen sie die Malerei

Das allgemeine vorzügliche Kennzeichen der griechischen die ganze weite Sphäre der Poesie füllen. Alles, was der Meisterstüde in der Malerei und Bildhauerkunst seßt Herr einen Recht ist, soll auch der andern vergönnt seyn; alles, Winkelmann in eine edle Einfalt und stille Größe, sowohl was in der einen gefält oder mißfällt, soll nothwendig auch in der Stellung als im Ausdrud. „So wie die Tiefe des in der andern gefallen oder mißfallen; und voll von dieser ,,Meeres, sagt er, 'allezeit rubig bleibt, die Oberfläche Idee, sprechen sie in dem zuversichtlichsten Tone die seichte:

„mag auch noch so wüthen, eben so zeigt der Ausdruck in sten Urtheile, wenn sie, in den Werken des Dichters und

,den Figuren der Griechen bei allen Leidenschaften eine Malers über einerlei Vorwurf, die darin bemerkten Ab:

,, große und gesepte Seele.“ weichungen von einander zu Fehlern machen, die sie dem

,,Diese Seele schildert sich in dem Gesichte des Lao: einen oder dem andern, nachdem sie entweder mehr Ge:

„, toons, und nicht in dem Gesichte allein, bei dem heftig: schmad an der Dichtkunst oder an der Malerei haben, zur

„sten Leiden. Der Schmerz, welcher sich in allen Muskeln Last legen.

,, und Sehnen des Körpers entdedt, und den man ganz Ja dieje Afterkritit hat zum Theil die Virtuosen selbst „allein, ohne das Gesicht und andere Theile zu betrachten, verführt. Sie hat in der Poesie die Schilderungssucht, und

an dem schmerzlich eingezogenen Unterleibe beinahe selbst in der Malerei die Allegoristerei erzeugt, indem man jene , zu empfinden glaubt; dieser Schmerz, sage ich, äußert zu einem redenden Gemälde machen wollen, ohne eigentlich „lich dennoch mit feiner Wuth in dem Gesichte und in der zu wissen, was sie malen könne und solle, und diese zu ganzen Stellung. Er erhebt tein (dredliches Gejdrei, einem stummen Gedichte, obne überlegt zu haben, in wel

„wie Virgil von seinem Laotoon fingt; die Deffnung des chem Maaße sie allgemeine Begriffe ausdrüden könne, obne

,,Mundes gestattet es nicht: es ist vielmehr ein ängstliches fidvon ihrer Bestimmung zu entfernen, und zu einer will:

und beklemmtes Seufzen, wie es Sadolet beschreibt. Der türlichen Schriftart zu werden.

„Schmerz des Körpers und die Größe der Seele sind durch Diesem falschen Geschmade, und jenen ungegründeten

,, den ganzen Bau der Figur mit gleicher Stärke ausgetheilt Urtheilen entgegen zu arbeiten, ist die vornehmste Absicht

und gleichsam abgewogen. Laofoon leidet, aber er leidet folgender Auffäße.

wie des Sopbofles Philoktet: sein Elend geht uns bis an Sie sind zufälliger Weije entstanden, und mehr nach ,, die Seele; aber wir wünschten, wie dieser große Mann, der Folge meiner Lecture, als durch die methodische Ent:

dus Elend ertragen zu können.“ widelung allgemeiner Grundsäße angewachsen. Es sind Der Ausdrud einer so großen Seele geht weit über also mehr unordentliche Collectaneen zu einem Buche, als

,, die Bildung der jdönen Natur. Der Künstler mußte die ein Buch.

Stärke des Geistes in sich selbst fühlen, welche er seinem Doch id meichle ich mir, daß sie auch als solde nidot

„Marmor einprägte. Griechenland batte Künstler und ganz zu verachten seyn werden. An systematischen Büchern „ Weltweise in einer Person, und mehr als einen Metro baben wir Deutschen überhaupt teinen Mangel. Aus ein ,dor. Die Weisheit reichte der Kunst die Hand, und paar angenommenen Worterklärungen in der schönsten

,blies den Figuren derselben mehr als gemeine Seelen Ordnung alles, was wir nur wollen, berzuleiten, darauf

„, ein, u. 1. m.“ verstehen wir uns, troß einer Nation in der Welt.

Die Bemerkung, welche hier zum Grunde liegt, daß Baumgarten befannte, einen großen Theil der Beispiele

der Schmerz sich in dem Gesichte des Laofoon mit der: in seiner Aesthetit Gefners Wörterbuche schuldig zu seyn. jenigen Wuth nicht zeige, weldie man bei der Heftigkeit Wenn mein Haisonnement nicht so bündig ist als das Baum: desselben vermuthen sollte, ist volltommen richtig. Auch gartensche, so werden doch meine Beispiele mehr nach der das ist unstreitig, daß eben hierin, wo ein Halbfenner den Quelle jdmeden.

Künstler unter der Natur geblieben zu seyn, das wahre Da ich von dem Laotoon gleidhjam ausseßte, und mehr: Pathetische des Sdhmerzes nicht erreicht zu haben, urtheilen mals auf ibn zurüdtomme, so habe ich ihm auch einen dürfte; daß, jage id), eben hierin die Weisheit desjelben Antheil an der Aufschrift lassen wollen. Andere kleine

ganz besonders hervorleuchtet. Ausschweifungen über verschiedene Puncte der alten Kunst:

Nur in dem Grunde, welchen Herr Winkelmann diejer geschichte tragen weniger zu meiner Absicht bei, und sie | Weisheit giebt, in der Allgemeinheit der Hegel, die er aus stehen nur da, weil ich ihnen niemals einen besjern Plaß diesem Grunde berleitet, wage ich es, anderer Meinung zu geben hoffen tann. Noch erinnere ich, daß ich unter dem Namen der

3d betenne, daß der mißbilligende Seitenblid, welchen Malerei die bildenden Künste überhaupt begreife; so wie er auf den Virgil wirft, mich zuerst stubig gemacht hat; ich nicht dafür stebe, daß ich nicht unter dem Namen der und nächst dem die Vergleichung mit dem Philoftet. Von Poesie auch auf die übrigen Künste, deren Nachahmung

1 Von der Naďahmung der griechischen Werte in der Malerei und fortschreitend ist, einige Rüdsicht nehmen dürfte.

Bildhauertunst. S. 21. 22.

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zu seyn.

hier will ich ausgehen und meine Gedanken in eben der größer, als in jener. Aber unsere Urältern waren Bar: Ordnung niederschreiben, in welder sie sich bei mir ents baren. Alle Schmerzen verbeißen, dem Streiche des Todes widelt.

mit unverwandtem Auge entgegen seben, unter den Bissen ,,Laotoon leidet, wie des Sopbofles Philoftet." Wie der Nattern lachend sterben, weder seine Sünde noch den leidet dieser ? Es ist sonderbar, daß sein Leiden so ver: Verlust seines liebsten Freundes beweinen, sind Züge des shiedene Eindrüde bei uns zurückgelassen. Die Klagen, alten nordischen Heldenmutbes. 1 Palnatoto gab seinen das Geschrei, die wilden Verwünschungen, mit welchen sein 3omburgern das Gefeß, nichts zu fürchten, und das Wort Schmerz das Lager erfüllte, und alle Opfer, alle heilige Furcht auch nicht einmal zu nennen. Handlungen störte, erschollen nicht minder schredlich durch Nicht so der Grieche! Er fühlte und fürchtete sich; er das öde Eiland; und sie waren es, die ihn dahin verbann: äußerte seine Schmerzen und seinen Rummer ; er schämte ten. Welche Töne des Unmuths, des Jammers, der Ver: sich keiner der menschlichen Schwachbeiten; teine mußte ihn zweiflung, von welchen auch der Dichter in der Nach: aber auf dem Wege nach Ehre, und von Erfüllung seiner ahmung das Theater durchhallen ließ. Man hat den Pflicht zurüdhalten. Was bei dem Barbaren aus Wildheit dritten Aufzug dieses Stüdes ungleich fürzer , als die übri: und Verhärtung entsprang, das wirkten bei ihm Grunds gen gefunden. Fieraus sieht man, jagen die Kunstrichter, 1 fäße. Bei ihm war der Heroismus wie die verborgenen daß es den Alten um die gleiche länge der Aufzüge wenig Funken im Riesel, die rubig schlafen so lange keine äußere zu thun gewesen. Das glaube ich auch; aber ich wollte Gewalt sie weckt, und dem Steine weder seine Klarheit noch mich deßials lieber auf ein ander Erempel gründen, als seine Kälte nehmen. Bei dem Barbaren war der Herois: auf diejes. Die jammervollen Ausrufungen, das Winseln, mus eine belle fressende Flamme, die immer tobte, und die abgebrochenen a, a, pov, urartai, w uou, uoi! die jede andere gute Eigenschaft in ihm verzehrte, wenigstens ganzen Zeilen voller auna, stana, aus welchen dieser Auf: schwärzte. Wenn Homer die Trojaner mit wildem Ges zug besteht, und die mit ganz andern Dehnungen und Ab: schrei, die Griechen hingegen in entschlossener Stille zur jeßungen declamirt werden mußten, als bei einer zusam: Schlacht führt, so merken die Ausleger sehr wohl an, daß menbängenden Rede nöthig sind, haben in der Vorstellung der Dichter bierdurch jene als Barbaren, diese als gesittete diejen Alufzug ohne Zweifel ziemlich eben so lange dauern Völker schildern wollen. Mich wundert, daß sie an einer lassen, als die andern. Er scheint dem Leser weit fürzer andern Stelle eine ähnliche charakteristische Entgegenseßung auf dem Papiere, als er den Zuhörern wird vorgetom- nicht bemerkt haben. Die feindlichen Heere haben einen men seyn.

Waffenstillstand getroffen; sie sind mit Verbrennung ihrer Søreien ist der natürliche Ausdrud des törperlichen Todten beschäftigt, welches auf beiden Theilen nicht ohne heiße Shmerzes. Homers verwundete Krieger fallen nicht selten Thränen abgeht; Suapva Jequa XeovTES. Aber Priamus mit Geschrei zu Boden. Die geripte Venus schreit laut; ? verbietet seinen Trojanern zu weinen; oús" sia rhaisin nicht um sie durch dieses Geschrei als die weichliche Göttin Iloianos reyaz. Er verbietet ihnen zu weinen, sagt bie der Wollust zu schildern, vielmehr um der leidenden Natur Dacier , weil er besorgt, sie möchten sich zu sehr erweichen, ibr Recht zu geben. Denn selbst der eherne Mars, als er und morgen mit weniger Muth an den Streit gehen. die Lanze des Diomedes fühlt, schreit so gräßlich, als Wohl; doch frage ich: warum muß nur Priamus dieses ichrieen zehntausend müthende Krieger zugleich, daß beide bejorgen? Warum ertheilt nicht auch Agamemnon seinen peere sich entiepen. 3

Griechen das nämliche Verbot? Der Sinn des Dichters So weit auch Homer sonst seine Helden über die mensch: gebt tiefer. Er will und lebren, daß nur der gesittete liche Natur erhebt, jo treu bleiben sie ihr doch stets, wenn Grieche zugleich weinen und tapfer seyn könne, indem der es auf das Gefühl der Schmerzen und Beleidigungen, wenn ungesittete Trojaner, um es zu seyn, alle Menschlichkeit es auf die Aeu ng dieses Gefühls durch Schreien, oder vorber erstiden müße. Neuleos wuai yo lov ovdev ndalsiv, durd Thränen, oder durch Scheltworte ankommt. Nach läßt er an einem andern Drts den verständigen Sohn des ihren Thaten sind es Geschöpfe höherer Art; nach ihren weijen Nestors sagen. Empfindungen wahre Menschen.

Es ist merkwürdig, daß unter den wenigen Trauer: 3h weiß es, wir feinern Europäer einer klügern Nad): spielen, die aus dem Alterthume auf uns gekommen sind, melt missen über unsern Mund und über unsere Augen sich zwei Stüde finden, in welchen der körperliche Schmerz besser zu berrschen. Göflichkeit und Anstand verbieten Ge: nicht der fleinste Theil des Unglüds ist, das den leidenden idrei und Ihränen. Die thätige Tapferkeit des ersten Helden trifft. Außer dem Philoftet, der sterbende Herku: rauben Weltalteră hat sich bei uns in eine leidende ver: lez. Und auch diesen läßt Sophotles klagen, winseln, wandelt. Doch selbst unsere Urältern waren in dieser

1 Th. Bartholinus de causis conteniptae a Danis adhuc gen• Brumoy Theat. des Grecs T. II. p. 89.

tilibus mortis, cap. I. 2 Iliad. E. v. 343. H de usya ia Zousa

2 ll.ad. H. v. 421. 3 Iliad. E. V. 859.

3 Odyss. A. 195.

weinen und dreien. Dank sey unsern artigen Nachbarn, will," jagt ein alter Epigrammatist 1 über einen höchst diesen Meistern des Anständigen, daß nunmehr ein win ungestalteten Menschen. Mancher neuere Künstler würde selnder Philottet, ein schreiender Herkules, die lächerlichsten jagen: ,, Ser so ungestalten wie möglich; ich will dich doch unerträglichsten Bersonen auf der Bühne sein würden. „,malen. Mag dich schon niemand gern seben: so soll man Zwar hat sich einer ihrer neuesten Dichter 1 an den Phi: „doch mein Gemälde gern seben; nicht in so fern es dich loktet gewagt. Aber durfte er es wagen, ihnen den wahren ,, vorstellt, sondern in so fern es ein Beweis meiner Kunst Bhilottet zu zeigen ?

,, ist, die ein solches Scheusal so ähnlich nachzubilden weiß." Selbst ein Laokoon findet sich unter den verlorenen Freilich ist der Þang zu diejer üppigen Brablerei mit Stüden des Sophokles. Wenn uns das Schidsal doch aud) leidigen Geschidlichkeiten, die durch den Werth ihrer Gegen: diesen Laokoon gegönnt hätte! Aus den leichten Erwäh: stände nicht geadelt werden, zu natürlich, als daß nicht nungen, die seiner einige alte Grammatiker thun, läßt sich auch die Griechen ihren Pauson, ihren Pyreicus sollten genicht schließen, wie der Dichter diesen Stoff behandelt habe. habt haben. Sie hatten sie; aber sie ließen ihnen strenge So viel bin ich versichert, daß er den Laokoon nicht stoi: Gerechtigkeit widerfahren. Pauson, der sich noch unter der, als den Philoftet und Herkules, wird geschildert haben. dem Schönen der gemeinen Natur hielt, dessen niedriger Ales Stoische ist untheatralisch; und unser Mitleiden ist

Geschmad das Fehlerhafte und Häßliche an der menschlichen allezeit dem Leiden gleichmäßig, welches der interessirende Bildung am liebsten ausdrüdte, ? lebte in der verächtlich: Gegenstand äußert. Sieht man ihn sein Elend mit großer sten Armuth.3 Und Pyreicus, der Barbierstuben, schmußige Seele ertragen, so wird diese große Seele zwar unsere Be: Wertstätte, Efel und Küchenkräuter mit allem dem Fleiße wunderung erweden, aber die Bewunderung ist ein falter eines niederländischen Künstlers malte, als ob dergleichen Affect, dessen unthätiges Staunen jede andere wärmere Lei Dinge in der Natur so viel Reiz bätten und so selten zu er: denschaft, sowie jede andere deutliche Vorstellung ausschließt. bliden wären, bekam den Zunamen des Rbyparograpben, 4

Und nunmehr komme ich zu meiner Folgerung. Wenn des Rothmalers; obgleich der wollüstige Reiche seine Werte es wahr ist, daß das Schreien bei Empfindung köi perlichen mit Gold aufwog, um ihrer Nichtigkeit auch durch diesen Schmerzes, besonders nach der alten griechijchen Denkunge: eingebildeten Werth zu Hülfe zu tommen. art, gar wohl mit einer großen Seele bestehen fann: so

Die Obrigkeit selbst hielt es ihrer Aufmerksamkeit nicht kann der Ausdrud einer solchen Seele die Ursache nicht für unwürdig, den Künstler mit Gewalt in seiner wahren seyn, warum dem ungeachtet der Künstler in seinem Mar: Spbäre zu erhalten. Das Geseß der Thebaner, welches mor dieses Schreien nicht nachahmen wollen, sondern es ihm die Nachahmung ins Schönere befahl und die Nach: muß einen andern Grund haben, warum er hier von sei: ahmung ins Häßlichere bei Strafe verbot, ist bekannt. Es nem Nebenbuhler, dem Dichter, abgebt, der dieses Geschrei war fein Geseß wider den Stümper, wofür es gemeiniglich, mit bestern Borjaße ausdrüdt.

und selbst vom Junius, 5 gehalten wird. Es verdammte

1 Antioqus. (Antholog. libr. II. cap. 4.) þarduin über den

Plinius (lib. 35. sect. 36. p. m. 698.) legt dieses Epigramm einem Es sey Fabel oder Geschichte, daß die Liebe den ersten

Piso bei. Es findet sich aber unter allen griechisơen Epigrammatisten

teiner dieses Namens. Versuch in den bildenden Künsten gemacht habe: jo viel ist

2 Jungen Leuten, befiehlt daber Aristoteles, muß man seine Ges gewiß, daß sie den großen alten Meistern die band zu mälde niớt zeigen, um ihre Einbildungstraft, so viel wie möglid, führen nicht müde geworden. Denn wird jeßt die Malerei

von allen Bildern des Häßlichen rein zu halten. (Polit. libr. VTIL

p. 526. Edit. Conring.) Herr Boden will zwar in dieser überhaupt als die Kunst, welche Körper auf Flächen nach:

Stelle anstatt Pauson, Pausanias gelesen wissen, weil von diesem ahmt, in ihrem ganzen Umfange betrieben: so hatte der belannt sey, daß er unzüchtige Figuren gemalt habe (de Umbra poeweise Grieche ihr weit engere Gränzen geseßt und sie bloß

tica, coniment I. p. VIII.). Als ob man es erst von einem pbilos

sophisden Geseßgeber lernen müßte, die Jugend von dergleichen Reis auf die Nachahmung schöner Körper eingeschränkt. Sein zungen der Wollust zu entfernen. Er hätte die belannte Stelle in der Künstler schilderte nichts als das Schöne; selbst das gemeine Didtlunít (cap. II.) nur in Vergleichung ziehen dürfen, um seine

Bermuthung zurüd zu behalten. Es giebt Ausleger (3. E. Kühn, über Schöne, das Schöne niederer Gattungen, war nur sein zu:

den Aelian Vir. Uist. lib. IV. cap. 3.), welche den Unterschied, den fälliger Vorwurf, seine Uebung, seine Erholung. Die Voll: Aristoteles daselbst zwisơen dem Polygnotus, Dionyfius und Pauson kommenbeit des Gegenstandes selbst mußte in seinem Werfe

angiebt, darin seßen, daß Polygnotus (Götter und Helden, Dionyfius

Menschen und Pauson Thiere gemalt babe. Sie malten allesammt entzüden; er war zu groß, von seinen Betrachtern zu ver: menídliche Figuren, und daß Pauson einmal ein Pferd malte, bewcist langen, daß sie sich mit dem bloßen kalten Vergnügen, noch nicht, daß er ein Thiermaler gewesen, wofür ihn Herr Voden

þält. Ihren Rang bestimmten die Grade des Sơönen, die sie ihrert welches aus der getroffenen Aehnlichkeit, aus der Erwägung

menschliden Figuren gaben, und Dionyfius fonnte nur deßwegen nidis seiner Geschidlichkeit entspringt, begnügen sollten; an seiner als Menschen inalen, und hieß nur darum vor allen andern der mu Kunst war ihm nichts lieber , dünfte ihm nichts edler, als thropograph, weil er der Natur zu fflavisch folgte, und sich nidt bis

zum ydeal erheben fonnte, unter welchem Görter und Helden zu mas der Endzweck der Kunst.

len, ein Religionsverbrechen gewesen wäre. Wer wird dich malen wollen, da dich niemand sehen 3 Aristophanes Plut. v. 602. et Acharnens. 1. 854.

4 Plinius lib. XXX. sect. 37. Edit. Hard. i Obataubrun.

5 De Pictura ret. lib. II. cap. 11. §. 1.

II.

cap.

5.

die griechischen Ghezzi; den unwürdigen Kunstgriff, die eine Ursache mußte es wohl haben, warum die ehebrecheAlehnlichkeit durch Uebertreibung der häßlichern Theile des rische Phantasie nur immer eine Schlange war. Iltbildes zu erreichen; mit einem Worte, die Carricatur. Doch ich gerathe aus meinem Wege. Ich wollte bloß

Aus eben dem Geiste des Schönen war auch das Gefeß festseßen, daß bei den Alten die Schönheit das höchste Geseß der Hellanoditen geflossen. Jeder Olympische Sieger erhielt der bildenden Künste gewesen sey. eine Statue; aber nur dem dreimaligen Sieger ward eine Und dieses festgeseßt, folgt nothwendig, daß alles Ztonische gefeßt.' Der mittelmäßigen Portraits sollten andere, worauf sich die bildenden Künste zugleich mit er: linter den Kunstwerken nicht zu viel werden. Denn ob stređen können, wenn es sich mit der Schönheit nicht ver: idon auch das Portrait ein 3deal zuläßt, so muß doch die trägt, ihr gänzlich weichen, und wenn es sich mit ihr ver: Nehnlichkeit darüber herrschen; es ist das Ideal eines ge. trägt, ihr wenigstens untergeordnet seyn müssen. wissen Menschen, nicht das Ideal eines Menschen über: Ich will bei dem Ausdruce stehen bleiben. Es giebt baupt.

Leidenschaften und Grade von Leidenschaften, die sich in Wir lachen, wenn wir hören, daß bei den Alten auch dem Gesichte durch die bäßlichsten Verzerrungen äußern, die Rünste bürgerlichen Geseßen unterworfen gewesen. Aber und den ganzen Körper in so gewaltsame Stellungen seßen, wir haben nicht immer Recht, wenn wir lachen. Unstreitig daß alle die schönen Linien, die ihn in einem rubigern müssen sich die Geseße über die Wissenschaften teine Gewalt Stande umschreiben, verloren geben. Dieser enthielten anmaßen, denn der Endzwed der Wissenschaften ist Wahr: sich also die alten Künstler entweder ganz und gar, oder beit. Wahrheit ist der Seele nothwendig; und es wird jeßten sie auf geringere Grade herunter, in welchen sie Tyrannei, ihr in Befriedigung dieses wesentlichen Bedürf: eines Maaßes von Schönheit fähig sind. nisjes den geringsten Zwang anzuthun. Der Endzwed der Wuth und Verzweiflung schändete feines von ihren Künste hingegen ist Vergnügen, und das Vergnügen ist | Werken. Ich darf behaupten, daß sie nie eine Furie ge: entbehrlich. Also darf es allerdings von dem Gesepgeber bildet haben. 1 abhängen, welche Art von Vergnügen, und in welchem

| Man gebe alle die Aunstwerte durch, deren Plinius und Paus Maaße er jede Art desselben verstatten will.

sanias und andere gedenten, man übersebe die noc jeßt vorhandenen Die bildenden Rünste insbesondere , außer dem unfehl: alten Statuen, Bagreliefs, Gemälbe, und man wird nirgends eine

Furie finden. 3d nehme diejenigen Figuren aus, die mehr zur Bilderbaren Einflusse, den sie auf den Charakter der Nation haben,

sprache, als zur Kunst gehören, dergleichen die auf den Müngen vors sind einer Wirkung fähig, welche die nähere Aufsicht des nehmlich find. Indeß hätte Spence, da er Furien haben mußte, ste Gefeßes beischt. Erzeugten schöne Menschen schöne Bild:

dod lieber von den Münzen erborgen sollen, Seguini Numis pag.

178. Spanhem. de Praest. Numism. Dissert XIII. p. 6:39. Les jäulen, so wirkten diese hinwiederum auf jene zurüd, und

Césars de Julien, par Spanheim p. 48.) als daß er sie durch einen der Staat hatte schönen Bildsäulen schöne Menschen mit zu wißigen Einfal in ein Werl bringen will, in welớem fie ganz gewiß verdanten. Bei uns scheint sich die zarte Einbildungekraft

nicht sind. Er sagt in seinem Polymetis (Dial. XVI. p. 272.). „Obs

„jdon die Furien in den Werten der alten Künstler etwas febr seltenes der Mütter nur in Ungeheuern zu äußern.

,, sind, so findet fich doch eine Geschichte, in der sie durchgängig von Aus diesem Gesichtspunkte glaube ich in gewissen alten „, ihnen angebraďt werden. Juh meine den Tod des Meleager, als in

,, dessen Vorstellung auf Basreliefs sie öfters die Althäa aufmuntern Erzählungen, die man geradezu als Lügen berwirft, etwas

„und antreiben, den unglüdliden Brand, von welchem das Leben wahres zu erbliden. Den Müttern des Aristomenes, des „ibres einzigen Sobnes abhing, dem Feuer zu übergeben. Denn auch Aristodamas, Aleranders des Großen, des Scipio, des

„ein Weib würde in ihrer Rage so weit nicht gegangen seyn, hätte

„der Teufel nicht ein wenig zugeschürt. In einem von diesen BasAugustus, des Galerius, träumte in ihrer Schwangerschaft

, reliejs, bei dem Bellori (in den Admirandis) sieht man zwei Weiber, allen, als ob sie mit einer Schlange zu thun hätten. Die „, die mit der Althäa am Altare steben, und allem Ansehen nad Fus

„ rien seyn sollen. Denn wer sonst als Furien bätte einer solden Sælange war ein Zeichen der Gottheit;? und die schönen

„ bandlung beiwohnen wollen? Daß sie für diesen (baratter nicht Bildsäulen und Gemälde eines Bacchus, eines Apollo, eines „sdredlich genug sind, liegt obne Zweifel an der Abzeichnung. Das Merkurius, eines Herkules, waren selten ohne eine Schlange.

„ Mertwürdigste aber auf diesem Werte ist die runde Sơeibe , unten

gegen die Mitte, auf welcher sich offenbar ber Kopf einer Furic jeigt. Die ehrlichen Weiber hatten des Tages ihre Augen an dem

,,Vielleicht war es die Furie, an die Althäa, so oft sie eine üble That Gotte geweidet, und der verwirrende Traum erwedte das ,,vornahm, ihr Gebet richtete, und vornehmlich jeßt zu richten, alle Bild des Thieres. So rette ich den Traum und gebe die

„Urjade hatte zc." — Duro solche Wendungen tann man auß allem

alles machen. Wer sonst, fragt Spence, als Furien, hätte einer solden Auslegung Preis, welche der Stolz ihrer Söhne und die

Þandlung beiwohnen wollen? Ich antworte: die Mägre der Althäa, Unverschämtheit des Schmeichlers davon machten. Denn welche das Feuer anzünden und unterhalten mußten. Dvid sagt:

Metamorph. VIII. v. 460. 461.

Protulit hunc (stipitem) genitrix, taedasque in fragmina poni 1 Plinius lib. XXXIV. sect. 9.

Imperat, et positis inimicos admovet ignes. ? Man irrt sid, wenn man die SĐlange nur für das Kennzeigen Dergleichen taedas, lange Stüde von Kien, welche die Alten zu einer medicinisơen Gottheit hält. Justinus Martyr (Apolog. II. pag. Fadeln brauậten, haben auc wirklich beide Personen in den Händen, 55. Edit. Sylburg.) sagt ausbrüdlic: nupa novi twy routo und die eine hat eben ein soldes Stüd zerbrowen, wie ihre Stellung μενων παρ' υμιν θεων, όφις συμβολον μεγα και μυςηριον anzeigt. Auf der Steibe, gegen die Mitte des Werts, ertenne ich die arrygaretat; und es wäre leiđịt eine Reihe von Monumenten an: Furie eben so wenig. Es ist ein Gesicht, welches einen heftigen zuführen, wo die Sdlange Gottheiten begleitet, welde nicht die ge Sd mer; ausdrüdt. Dhne Zweifel joll es der Kopf des Dieleagers ringste Beziehung auf die Gesundheit haben.

selbst seyn (Metamorph. I. c. v. 515.).

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Zorn seşten sie auf Ernst herab. Bei dem Dichter war Und dieses nun auf den Laofoon angewendet, so ist die es der zornige Jupiter, welcher den Bliß schleuderte; bei Ursache flar, die ich suche. Der Meister arbeitete auf die dem Künstler nur der ernste.

höchste Schönheit, unter den angenommenen Umständen Jammer ward in Betrübniß gemildert. Und wo diese des törperlichen Schmerzeg. Dieser, in aller seiner entMilderung nicht Statt finden konnte, wo der Jammer eben stellenden Heftigkeit, war mit jener nicht zu verbinden. Er so verkleinernd als entstellend gewesen wäre, was that mußte ihn also berabsepen; er mußte Schreien in Seufzen da Timanthes? Sein Gemälde von der Opferung der mildern; nicht weil das Schreien eine unedle Seele verräth, Iphigenia, in welchem er allen Umstehenden den ibnen sondern weil es das Gesicht auf eine ekelhafte Weise ver: eigenthümlich zukommenden Grad der Traurigkeit ertheilte, stellt. Denn man reiße dem Laokoon in Gedanken nur den das Gesicht des Vaters aber, welches den allerhöchsten hätte Mund auf, und urtheile. Man lasse ihn schreien, und sebe. zeigen sollen, verhüllte, ist bekannt, und es sind viele artige Es war eine Bildung, die Mitleid einflößte, weil sie Sdön: Dinge darüber gesagt worden. Er hatte sich, jagte dieser,' heit und Somerz zugleid zeigte; nun ist es eine häßlice, in den traurigen Physiognomien so erschöpft, daß er dem eine abscheuliche Bildung geworden, von der man gern sein Vater eine noch traurigere geben zu können verzweifelte. Gesicht verwendet, weil der Anblic des Schmerzes Unlust Er bekannte dadurch, sagt jener, ? daß der Schmerz eines erregt, ohne daß die Schönheit des leidenden GegenstanVaters bei dergleichen Vorfällen über allen Ausdrud sey. des diese Unlust in das süße Gefühl des Mitleids verwan: 3ch für mein Theil sebe hier weder die Unvermögenheit deln kann. Künstlers, noch die Unvermögenheit der Kunst. Mit dem Die bloße weite Deffnung des Mundes, - bei Seite Grade des Affects verstärken sich auch die ihm entspredien- geseßt, wie gewaltsam und etel auch die übrigen Theile des den Züge des Gesichts; der höchste Grad hat die allerent: Gesichts dadurch verzerrt und verschoben werden, ist in schiedensten Züge, und nichts ist der Kunst leichter, als

der Malerei ein Fleck und in der Bildhauerei cinc Verticdiese auszudrüden. Aber Timanthes tannte die Gränzen, fung, welche die widrigste Wirkung von der Welt thut. welche die Grazien seiner Kunst lepen. Er mußte, daß sich

Montfaucon bewies wenig Geschmad, als er einen alten der Jammer, welcher dem Agamemnon als Vater zukam, bärtigen Kopf, mit aufgerissenem Munde, für einen Orakel durch Verzerrungen äußert, die allezeit bäßlich sind. So ertheilenden Jupiter ausgab. 1 Muß ein Gott schreien, weit sich Schönheit und Würde mit dem Ausdruđe verbin

wenn er die Zukunft eröffnet? Würde ein gefälliger Ulm: den ließ, so weit trieb er ihn. Das Häßliche wäre er gernriß des Mundes seine Rede verdächtig machen? Auch glaube übergangen, hätte er gern gelindert; aber da ihm seine ich es dem Valerius nicht, daß Ajar in dem nur gedachten Composition beides nicht erlaubte, was blieb ihm anders

Gemälde des Timanthes sollte geschrieen haben. 2 Weit übrig, als es zu verhüllen? - Was er nicht malen durfte,

schlechtere Meister aus den Zeiten der schon verfallenen ließ er errathen. Kurz, diese Verhüllung ist ein Opfer, das Kunst lasjen auch nicht einmal die wildesten Barbaren, wenn der Künstler der Schönbeit brachte. Sie ist ein Beispiel,

sie unter dem Schwerte des Siegers Schreden und Todes. nicht wie man den Ausdrud über die Schranken der Kunst angst ergreift, den Mund bis zum Schreien öffnen. treiben, sondern wie man ihn dem ersten Geseße der Kunst, Es ist gewiß, daß diese Herabseßung des äußersten för: dem Gesepe der Schönheit, unterwerfen jou.

perlichen Schmerzes auf einen niedrigern Grab von Gefühl

an mehrern alten Kunstwerken sichtbar gewesen. Der leiInscius atque absens Namma Meleagros in illa Uritur: et caecis torreri viscera sentit

dende Herkules in den vergifteten Gewande von der Hand Ignibus: et magnos superat virtute dolores.

eines alten unbekannten Meisters war nicht der Sophc: Der Künstler brauchte ihn gleidjam zum Uebergange in den folgenden Zeitpunct der nämligen Gejớidte, welæer den sterbenden Meleager

kleische, der so gräßlich schrie, daß die Lokrischen Felsen gleid darneben zeigt. Was Spence zu Furien maqt, bält Montfaucon und die Euböischen Vorgebirge davon ertönten. Er war für Parzen (Antiqu. expl. T. I. p. 162.) den Kopf auf der Sdeibe

mehr finster, als wild. 4 Der Philoktet des Pythagoras ausgenommen, den er gleidfalls für eine Furie ausgiebt. Bellori felbst Admirand. Tab. 77.) läßt es unentsdieden, ob es Parzen oder

Leontinus schien dem Betrachter seinen Schmerz mitzuthei: Furien sind. Ein Oder, weldes genugsam zeigt, daß sie weder das len, welche Wirkung der geringste gräßliche Zug verhindert eine nod das andere find. Aud Montfaucons übrige Auslegung sollte

hätte. Man dürfte fragen, wober ich wisje, daß dieser genauer seyn. Die Weibsperson, welche neben dem Bette fidy auf den Elbogen stüßt, bätte er Cassandra und nicht Atalanta nennen sollen. Meister eine Bildsäule des Philoktet gemacht habe? Aus Atalanta ist die, welde, mit dem Rüden gegen das Bette gelehrt, in einer traurigen Stellung fißt. Der Künstler hat sie mit vielein Ver ! Antiquit, expl. T. I. p. 50. stande von der Familie abgewendet, weil sie mir die Geliebte, nicht * Er giebt nämlich die von dem Timanthcs wirtlich ausgedrüdten die Gemahlin des Meleagers war, und ihre Betrübniß über ein Uns Grade der Traurigkeit so an: Calchautem tristem, moestum llysglüd, das sie selbst unículdiger Weise veranlaßt hatte, die Anvers sem, clamantem Ajacem, lamentantem Menelaum. - Der Søreier wandten erbittern mußte.

Ajar müßte eine bäßliche Figur gewesen seyn, und da weder Cicero i Plinius lib. XXXV. sect. 35. Cum moestos pinxisset omnes, 1100 Quintilian in ihren Bescreibungen dieses (Gemäldes jeiner ges proccipue patruum, et tristitiae omnem imaginein consumipsisset, denten, so werde ich ihn um so viel eber für einen Zusaß halten patris ipsius vultum velavit, quem digne non poterat ostendere. bürfen, mit dem es Valerius aus seinem Kopfe bereichern wollen. Suinmi moeroris acerbitatem arte exprimi non possp con

3 Bellorii Admiranda, Tab. 11. 12. fessus est. Valerius Maximus lib. VIII. cap. 11.

4 Plinius libr. XXXIV. sect. 19.

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