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v. Nicolai., Ein Räthsel, eine Sphynx, die einen Thron uns bietet, Indeß der Wünsche Pest in Theben immer wütet.

Doch wie? So hat mit uns die Vorsicht nur ges spielt?

So ist das brennende Verlangen,
Die Nothdurft, die mein Herze fühlt,
Nur eine Falle mich zu fangen?

So hieß der Himmel mich entstehn,

Um boshaft mich zu hintergehn ?

So leben wir allein verdammt zum Jammerstande?
So leben wir der Schöpfung Schande?
Nein! Dieses, liebster Fries, geht mein Gefühl nicht

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ein.

Gewiß, Glückseligkeit muß wo zu finden seyn.

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S. von ihm B. I. S. 71.

Ich weiß die bisherige

Auswahl poetischer Briefe nicht würdiger zu schließen, als
mit folgender schönen, lehrreichen und empfindungsvollen
Epistel, welche von diesem durch Herz und Geift verehrungs-
werthen Dichter an seine Tochter gerichtet ist.

Pfeffel.

Epistel an Phôbe;

auf ihren vierzehnten Geburtstag.

Heut vierzehn Jahre; theures Kind!
Wie bald vollendet! Wie geschwind
Eil ich von meines Mittags Höhe
Ins dde Schattenthal herab!
O! meine Phobe, gerne fldhe
Ich aus dem Lerm ins stille Grab
Zu meinem Sunim, meinem Stab,
Wenn ich nicht - Küß die süße Zähre
Mir weg Gemahl und Vater wåre;

Wenn doch der Gott, der euch mir gab,
Wog unser Loos auf seiner Wage
Und maß den Faden meiner Tage
Am Zepter seiner Weisheit ab.
Vergieb mirs, Kind, die feige Klage,
Ein Dankfest soll dein Tag mir seyn.
Komm, laß mich dich mit Rosen krönen,
Mit diesem Kuß, mit diesen Thränen
Weih ich dich mir zur Freundinn ein.
Nicht wahr, du fühlst ihn, gute Phobe,
Des Titels Werth, den ich dir gebe?
Hinfort nicht mehr dein Vater, nein,
Dein Freund bin ich, der dich begleitet
Durchs Land der Täuschung, und dein Herz
Zum Leiden sachte vorbereitet;
Denn leiden wirst du; Lust und Schmerz

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Sind,

Pfeffel.

Pfeffel.

Sind, gleich den Schaalen einer Wage,
Hier nie getrennt, und dieser neigt
Das Herz in seine rechte Lage,
Wenn es zu hoch im Glücke steigt.
Ein Leben voller Wonnetage
Taugt nur für Engel: Hüte dich
Dir eins zu träumen. Hüllet sich
Dein, Aug in Wolken; o! so weine
Sie auf mein Herz, verbirg mir keine:
Der Schmerz ist ja nicht neu für mich.
Und wenn Nie denk ichs ohne Beben
In dir der neue Trieb erwacht,
Der Mädchen auf ihr ganzes Leben
Beseligt oder elend macht;
Dann meine Phdbe, dann erwähle
Mich zum Vertrauten deiner Seele.
Nicht streng, nur sorgsam will ich seyn,
Dein Herz vor Stürmen zu bewahren,
Und ihm die namenlose Pein
Des Streits mit Hang und Pflicht zu sparen.
Für deine Ruhe fürcht ich nichts
Vom ekeln Weihrauch süßer Laffen;
Am Glanz des reichen Taugenichts
Wird sich dein Blick auch nie vergaffen;
Doch schrecklich sind die Zauberwaffen
Des feinen Modebdsewichts,

Der nichts von Flammen, nichts von Schmerzen
Der Liebe spricht, nur von Genie,

Bon Tugend und von Energie,
Von Freundschaft und von Sympathie;
Und, Vampyrn gleich, am sichern Herzen
Des Mädchens saugt, bis es verdirbt,
So wie vom Wurm die Rose stirbt.
Dank sey es unsern hellern Zeiten,
Daß Selbstheit und Sophisterei
Und Vollkraft und Empfindelei
Der Unschuld mehr Gefahr bereiten,
Als je die Nacht der Barbarei.
Es fällt mir gleich ein Mährchen bev

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Ich will es, Phdbe, dir erzählen,
O laß damit mich meines Ziels
Dich zu belehren nicht verfehlen!
Es heißt: Die Alippe des Gefühls.

Ein Damon, der beim alten Drachen
Mit Ehren als Geselle stund,
Erhob sich auf das Erdenrund,
Um da sein Meisterstück zu machen,
Er sollte, wie von Anbeginn
Die Zunftgesetze vorgeschrieben,
Ein Mädchen ins Verderben ziehn,
Das stets der Unschuld treu geblieben.
Sophie war zum Opferlamm
Ersehn; ein Kind aus edlem Stamm
Das jeder Reiz der Eva schmückte,
Und dessen stille Frömmigkeit
Schon oft die Serafim entzückte.
Er troch in ein Husarenkleid.
Die Uniform sprengt alle Thüren,
Und dienet oft zum Talisman
Ein eitles Püppchen zu verführen.
Er meldet sich bei Fiekchen an
Und sagt ihr unter tausend Schwüren,
Sie sey das niedlichste Gesicht,

Das ihm von Quebeck bis nach Posen
Auf seinen Zügen aufgestoßen.
Reich, sprach er, Mädchen, bin ich nicht;
Doch wird der Donner erster Tagen
Den krüplichten Major erschlagen;
Dann sollst du Frau Majorin seyn.
Was meinst du! Rede, kleiner Nickel!
Das arme Fiekchen war betäubt
Und bebte, wie der Perpendikel
Der Wanduhr. Hönisch lachend reibt
Ihr Sphynx (dies war des Helden Name)
Den Schnurrbart auf die zarte Hand.
Jht löst sich ihrer Zunge Band:
Sie schreit, und eine alte Dame

Kam

Pfeffel.

Pfeffel.

Kam hustend ins Gemach gerannt;
Die Muhme wars. Der Herzensstürmer
Ward schimpflich aus dem Schloß verbannt,
Und Fiekchen bat den raschen Thürmer,
Würd er sich nur von Ferne nahn,
Den Doggen auf ihn los zu hehen.
Nun fieng er erst zu fluchen an!
Er riß den Dollman straks in Feßen,
Und wollte nun als reicher Geck
Des Fräuleins Herz in Flammen sehen.
Er nennt sich Graf von Schwarzenegg,
Und kömmt in einer Staatskarosse
Mit einem königlichen Trosse,
In einem Kleide starr von Gold
Schön wie der Liebling der Cythere,
Umwölkt von einer Balsamsphåre
Jns adeliche Schloß gerollt.
Der Graf ward schwebend aus dem Wagen
In Fietchens Pußgemach getragen.
Er überreichet ihr sein Bild,
Geziert mit seinem Wappenschild,
In einem Ramen von Brillanten;
Fleht knieend um des Fräuleins Gunst,
Und spielt mit meisterhafter Kunst
Den feinen schmachtenden Amanten:
Sechs hundert tausend Thaler sind
Ihr Mahlschat, angenehmes Kind,
Wenn Sie zum Bräutigam mich wählen.
Er sprachs: Ein Kästchen mit Juwelen
Giebt seinen Worten neue Kraft.
Die gute graue Muhme gafft
Entzückt durch ihre Staarenbrille
Den ausgekramten Reichthum an;
Doch Fiekchen blickt in ernster Stille
Nur auf den üppigen Galan,
In dessen Aug ein Feuer lodert,
Das Wollust strömt, und Wollust fodert.
Ihr Herz verschliesst sich vor dem Blick:
Mein Herr, ein allzugroßes Glück

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