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ital. di questi due metalli il ferro è il più duro,

franz. de ces deux métaux le fer est le plus dur. Die Ausdrücke el mas duro, il più duro,. le plus dur enthalten den Artikel nur zum Hinweis auf das bezügliche Substantiv, dem Sinne nach sind sie trotzdem so gut Comparative wie ohne denselben in der Wendung:

el hierro es mas duro que el plomo il ferro è più duro

che il piombo - le fer est plus dur que le plomb. In folgendem Satze aus Voltaire's Histoire de Charles XII. (liv. I.):

Un traité entre les souverains n'est souvent qu'une soumission à la nécessité, jusqu'à ce que le plus fort puisse accabler le

plus faible bezieht sich der Artikel der Ausdrücke le plus fort und le plus faible entweder eben so auf das Substantiv souverain, oder er verleiht den Adjectiven fort und faible selber substantive Geltung. Aber in beiden Fällen liegt nicht superlativer, sondern nur comparativer Sinn vor; nur „der Stärkere und Schwächere“ sind durch den Zusammenhang bedingt, nicht „der Stärkste und Schwächste.“

Beispiele dieser Art kann man, da sie ein ganz gewöhnliches, oft wiederkehrendes Verhältniss ausdrücken, bei den verschiedensten Schriftstellern so viele find als man suchen mag.

Warum sollte denn der Comparativ nicht auch so gut wie der Positiv den Artikel dulden? Wer behauptet, mit dem Artikel werde der Comparativ zum Superlative: der behauptet, dass mit dem Artikel ein Comparativ überhaupt nicht möglich sei -- behauptet dies gegen die durch unzählige Beispiele vertretene Thatsache behauptet es auf Grund einer ganz irrig angenommenen Beziehung. Denn der Artikel bezieht sich auf den Comparativ des Beiwortes eben so wenig wie auf den Positiv desselben; er bezieht sich überhaupt nicht auf das Beiwort, sondern auf das Hauptwort, dem dieses zugehört. Selbst in dem obigen le plus fort, le plus faible und ähnlichen Ausdrücken gilt der Artikel nicht dem Comparativ-, sondern dem Substantivsinne, den er dem Beiworte verleiht.

Nun giebt es allerdings auch Beispiele von andrer Art. vorstehenden ist nur Eines mit Einem verglichen. Man kann auch Eines mit Vielem, mit Allem vergleichen. In diesem Falle sagt man z. B.:

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span. de todos los metales el hierro es el mas duro,
ital. di tutti i metalli il ferro è il più duro,

franz, de tous les métaux le fer est le plus dur. Alsdann pflegen wir Deutsche von unserm Superlative Gebrauch zu machen und zu sagen:

von allen Metallen ist das Eisen das härteste. Allein wenn wir nun auch in diesem Falle den Comparativ festhielten und sagten :

von allen Metallen ist das Eisen das härtere was hätte man dagegen einzuwenden? Auch hier ist eine Verglei- , chung, eine Comparation; der relative, „vergleichende“ Superlativ ist nichts Anders als ein „comparativer“ Superlativ. Was hat man also dagegen, dass die romanischen Sprachen auch in diesem Falle den einfachen Comparativ und Comparativsinn wirklich festhalten - dass sie auch in diesem Falle eine besondere Superlativform entbehrlich finden und wirklich entbehren?

So steht die Sache in der That. Die romanischen Sprachen beschränken den Sinn des Comparativs nicht auf den Fall, wo Eines mit Einem sie dehnen ihn auch auf den Fall aus, wo Eines mit Allem verglichen wird. Ueberschreitet eine Qualität ihren positiven Grad: so thut sie es nach der Auffassung und im Geiste der romanischen Sprachen in Bezug auf Alles nicht minder und nicht anders als in Bezug auf Eines. Was ihnen ,, härter“ heisst, gilt ihnen nicht nur für härter als ein Anderes, sondern auch für härter als jedes oder alles Andere.

Und das hat Sinn. Dass aber der Artikel den Comparativ solle zum Superlative machen können, das hat, mit Erlaubniss, keinen Sinn. Selbst wenn man anführt, dass der Superlativ einen Gegenstand unter der Menge ähnlicher Gegenstände gewissermassen individualisire und deshalb den Artikel so zu sagen fordere, der diese Individualisirung ausdrücke: so ist doch eben der Gegenstand, nicht die Qualität, dasjenige, was individualisirt wird; das heisst, der Artikel trifft das Hauptwort, nicht das Beiwort, folglich auch nicht den Comparationsgrad desselben. Wenn der Artikel das Beiwort träfe: so wäre die Congruenz des Artikels mit dem Hauptworte nicht gerechtfertigt. Das Französische zeigt in der That einen gewissen Fall, wo die Congruenz unterbl bt. Man sagt z. B.:

:

communs.

A l'endroit, où le monstre a la peau le plus tendre. C'est
dans le temps, que les plus grands hommes sont le plus

Les objects, qui lui étaient le plus agréables. Le
roi, dont la mémoire est le plus révérée.
Girault-Duvivier, der in seiner „Grammaire des Grammaires
diese Beispiele nebst andern ähnlichen anführt, macht dabei die aus-
drückliche Bemerkung, dass das Wort, welches den Superlativ aus-
drückt, auf das Beiwort und nicht auf das Hauptwort falle und darum
nicht verändert werden dürfe („Le mot, qui exprime le superlatif, tombe
donc sur l'adjectif et non sur le substantif; dès lors il a dû rester inva-
riable.“ Gr. des Gr. t. I. p. 268). Er weiss also sehr wohl, dass
der Artikel, um veränderlich zu sein, zum Hauptworte gehören müsse.
Für den vorliegenden Fall irrt er nur wieder darin, dass er den Aus-
druck le plus für eine Bezeichnung des Superlativs der Beiwörter
(tendre etc.) ansieht. Dieser Ausdruck ist das comparative plus, hier
durch den Artikel aber selber als Hauptwort gesetzt; le plus heisst
,,das Mehr“ und entspricht dem im Deutschen, aber nicht im Fran-
zösischen vorhandenen superlativen „das Meiste“ oder, wie wir
in solchen Verbindungen mit Zuziehung der Präposition ,,an“ zu sagen
pflegen „am Meisten.“ Das Beiwort selbst ist dann lediglich Positiv,
nicht einmal Comparativ, geschweige denn Superlativ. Es hat mit
dem le plus überhaupt keinen andern Zusammenhang als den, welchen
etwa auch das Zeitwort mit demselben haben kann. Der Franzose
sagt in dem nämlichen Sinne z. B. cette chose me plaît le plus — diese
Sache gefällt mir „das Mehr,“ das heisst (wie wir sagen) „am Mei-

Auch ist beachtenswerth, dass die Italiener und Spanier die Substantivirung ihres più und mas in diesem Falle durchaus unterlassen. Sie sagen : questa cosa mi piace più, esta cosa mas me place, und eben so bei Adjectiven: la cosa, che ho più cara; la cosa, que he mas cara, die Sache, die ich am Liebsten habe.

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sten.“

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Ein Irrtum erzeugt gern einen andern. Die Vorstellung, dass der Artikel den Superlativ bilde, hat die französischen Grammatiker zu der Behauptung verleitet, dass, wenn das Beiwort im Superlative (sie sehen es nun einmal dafür an) dem Hauptworte nachfolgt, der Artikel wiederholt werden müsse. Sie gestatten „la plus belle chose,“ aber fordern ,,la chose la plus belle.“ Es ist bekannt, dass jetzt kein französischer Schriftsteller mehr wagt, dieser Forderung

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zuwider zu handeln. Dass sie es ehemals dennoch gethan, beweisen Beispiele wie:

La Providence s'en est servie comme du moyen plus propre à garantir la pureté de la religion (Leibnitz). Chargeant de mon débris les reliques plus chères (Racine).

Mais je veux employer mes efforts plus puissants (Molière). Girault-Duvivier bemerkt zu diesen Beispielen (Gr. des Gr. t. I., p. 264), die genannten Schriftsteller hätten sagen sollen: du moyen le plus propre, les reliques les plus chères, mes efforts les plus puissants. Wenn er statt dessen über die Sache nachgedacht hätte: so würde er gefunden haben, dass nicht die Grammatiker, sondern jene Schriftsteller im Rechte sind. Vielleicht hätte er's freilich auch nicht gefunden. Denn selbst denkende Männer wie Fernow und Blanc haben diese Forderung den französischen Grammatikern in Bezug auf das Italienische nachgesprochen. Es ist wahr, dass manche italienische Schriftsteller in französirender Weise derselben Vorschrift folgen; die meisten und besseren aber, die sich von diesem fremden Einflusse fern halten, thun es nicht, sondern sagen z. B.:

Le grazie più vive (Soave). Gli uomini più qualificati (Manzoni). I casi più dolorosi (Pellico). Il padre più misero che sia mai nato (Foscolo). Le strade più ample e più frequen

tate (Spallanzani). Il clima più bello (Ganganelli). Eben so drücken sich die Spanier und Portugiesen durchgehends aus.

Es ist also eigentlich nur die französische, und zwar die neufranzösische Grammatik, welche die Behauptung aufstellt, dass der Artikel den Comparativ zum Superlative mache. Sie stellt diese Behauptung auf, ohne sie zu begründe'n, und hat dabei nicht nur den Gebrauch der übrigen romanischen Sprachen, sondern auch den der älteren französischen Schriftsteller selbst gegen sich. Dieser Gebrauch aber gründet sich seinerseits mit gutem Rechte auf die oben dargelegte Anschauung, welche die romanischen Sprachen von dem comparativen Verhältnisse überhaupt gewonnen haben - auf die Anschauung nämlich, dass es kein wesentlicher Unterschied sei, ob Eines mit Einem oder Eines mit Allem verglichen werde. Möge diese Anschauung die Folge davon sein, dass die antike Superlativform in den romanischen Sprachen verloren gegangen oder, wo sie geblieben, auf die absolute Bedeutung beschränkt worden, oder aber möge sie

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von

selber jenen Verlust, jene Beschränkung erst herbeigeführt haben: so viel steht fest, dass es einen eigenen relativen, comparativen Superlativ in diesen Sprachen nicht mehr giebt. Wenn die Grammatiker von einem solchen reden: so thun sie es, weil sie einen solchen in anderen Sprachen kennen. Man könnte sagen,

sie reden so einem Superlative, wie sie auch noch von Casus reden, ungeachtet diese in den romanischen Sprachen ihre Formen gleichfalls eingebüsst haben. Nur liegt hier die Sache allerdings ein Wenig anders. Denn mit den Casusformen sind doch keineswegs die Casusverhältnisse verschwunden; sie haben nur eine neue Bezeichnungsweise erhalten. Aber mit der Form des Superlativs ist in der That auch der Sinn des Superlativs aufgegeben -- er ist nicht auf eine neue Weise bezeichnet, sondern vollständig mit dem Comparativsinne identificirt worden.

Wenn dem so ist (und es wird damit wohl seine Richtigkeit haben): so kann man schliesslich nur sagen, dass andere Sprachen die deutsche, die lateinische, die griechische - ihren Superlativ geeigneten Falles dem romanischen Comparative substituiren, diesen mit ihrem Superlative übersetzen können. Aber man muss nicht sagen, dass der romanische Comparativ darum selber ein (comparativer oder relativer) Superlativ sei. Ein solcher ist in den romanischen Sprachen nicht nachweisbar.

-G. L. Staedler.

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