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als ein charakteristisches Merkmal derselben auf und benannte sie darnach, ähnlich wie es bei dem erwähnten Zusammenfliessen des Rheins und der Mosel in Beziehung auf Coblenz und bei noch anderen Städten geschehen ist. Da im Russischen raztok geradezu und nur Flussarm beisst, so stände anch nichts entgegen, roztok als Fluss überhaupt zu nehmen, zumal wir ja gar nicht wissen, was für specielle Anwendungen das Wort in dem untergegangenen Dialect des Slawischen in jenen Gegenden gehabt haben mag.

II. Wittstock, eine kleine Stadt von 7000 Einwohnern in der Mark Brandenburg und im Regierungsbezirk Potsdam in der sogenannten Priegnitz, die von den alten Brizanen ihren Namen haben soll, nicht weit von der Meklenburgischen Gränze. Die Stadt gehörte ehemals zu dem Gau der Doschaner, die so vom Dossaflusse genannt werden. In den ältesten Urkunden von 946 heisst sie Wizaca, und von 1150 Wizoka (Schafar. Alterth. 2, 586). In späteren Urkunden führt sie den Namen Wistohc, Wistock, Witstock, Witsstoc, Wizstok, Wiztok etc. Man hat den Namen aus dem Deutschen abzuleiten, und ihn entweder geradezu als weisser Stock, Weissstock oder (cf. Buttmann deutsche Ortsnamen in der Mittelmark p. 6.) als Waldfleck, identisch mit dem englischen Woodstock, zu erklären gesucht. Diejenigen, welche, wie Bekmann, ihr Augenmerk auf's Slawische richteten, erklärten es durch die slawische Präposition w. wi, wo, in, auf, nach, und das Hauptwort stok, d. i. Abfluss, wobei diese Präposition aber keinen besonders verständigen Sinn giebt, und man einen unmotivirten Zusatz vont annehmen müsste. Die alte Form der Urkunden wysoka kommt ganz offenbar vom slawischen wysoka, hoch, her, wobei etwa woda, Wasser, oder rzeka, russisch rieka, Fluss, zu ergänzen wäre. Nach den späteren Formen Wistock etc. zu schliessen, ist es aber sehr wahrscheinlich, dass neben dem Namen Wysoka noch ein anderer wysoki stok hergegangen, und endlich über wysoka den Sieg davon getragen habe. Dieses wysoki stok, welches znerst in wysk stok zusammengezogen, und nachher in wytstok corrumpirt. wurde, würde nun ungefähr hoher Zusammenfluss heissen, von wysoki, hoch, und stok, der Zusammenfluss. Diese Benennung passt für Wittstock doppelt gut, indem der Ort gerade da an der Dosse liegt, wo ein anderes kleines Flüsschen, die Glinz, mit ibr zusammenfliesst, sich also ein slawisches Coblenz bildet, und die Dosse ein zwar nur kleiner, aber leicht anschwelJender und dann reissend werdender Fluss ist, besonders da er bier durch die eben erwähnte Glinz noch vergrössert wird (cf. Bergbaus Landbuch der Provinz Brandenburg 1, 631 und 1, 377).

III. Bialystok, eine Kreisstadt von ungefähr 16,000 Einwohnern an der Biala oder dem Bialy, in dem nordöstlichen Theile des ehemaligen Polens, jetzt in Westrussland. Auch der Namen dieser Stadt ist ganz offenhar eben so wie Rostock und Wittstock ursprünglich und eigentlich ein Flussname, indem er aus dem polnischen bialy, weiss, und dem eben erwähnten stok, das Zusammenfliessen, besteht, und der Fluss selbst führt zum Unterschiede bloss den kürzeren Namen Bialy, wobei stok zu ergänzen ist, oder Biala, wobei woda, Wasser, oder rzeka , Fluss, binzuzudenken ist. Es wird nicht gerade erwähnt, dass die Biala bei Bialystok mit irgend einem andern Flusse zusammentreffe; vielleicht ist es dennoch der Fall, aber derselbe ist dann wohl so unbedeutend, dass es in den Erdbeschreibungen nicht angeführt wird; oder man hat stok als ein Zusammenfliessen der Wasser eines und desselben Flusses zu fassen, der sich ja häufig in mehrere Arme theilt, die dann wieder zusammenfliessen; oder es kann auch ein Hinfliessen überhaupt sein, da im Russischen stok ein Abfliessen, einen Abfluss bedeutet.

Dr. C. A. F. Mahn.

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Nachträgliches zu Herrn Dr. A. Hoppe's Beiträgen zur englischen Lexicographie.

. II. Art. XXX. Band 1. und 2. Heft p. 111 ff. Da Heft 3 und 4 des Archivs keine Antworten auf die in Obigem enthaltenen Fragen gebracht hat, so sei es mir gestattet, solches jetzt nachzuholen. Indem ich so einige Lücken in den schätzenswerthen Beiträgen zu ergänzen suche, werde ich mir zugleich erlauben, einzelne Ungenauigkeiten darin zu berichtigen. Ich will mich damit keineswegs über Herrn Dr. Hoppe erheben; vielmehr gestehe ich gern ein, dass ich durch seine Beiträge meine Kenntniss der englischen Sprache stets vermehrt finde und es mich freuen sollte, wenn Andere meinen Nachtrag eben so nützlich fänden.

p. 111 „above. with such an income as that he should be above world, erhaben über das Weltliche.“ Sollte vielmehr heissen, sich über das Gerede der Welt hinwegsetzen.

ibid. „Admirable Crichton.“ Er war nicht Engländer, sondern Schotte, wie das aus jedem beliebigen Conversationslexicon zu ersehen ist. Zu den Citaten des Herrn Dr. Hoppe möchte ich noch Bulwer's Lady of Lyons Act 1 Scene 2 hinzufügen.

p. 112 „aye.“ Warum nicht der Sprecher im Unterhause statt: „der Beamte im Parlamente ?"

ibid. „armlet,“ der kleine oder dünne Arm, also der das Handgelenk bekleidende Theil des Aermels, um welchen das Armband (hier die Perlen) getragen werden,

ibid. „ayewunnest.“ Einfach ein vom Autor gebildeter Superlativ von „A 1" (A one) was so viel wic Prima Qualität bedeutet und von der Classificirung der londoner Constabler sich herschreibt.

p. 113 „To bear heavy on somebody,“ Jemandem hart zusetzen, nicht „stossen."

ibid. „To beat out a thought.“ „Ob üblich ?" Ja wohl.

ibid. „Berlin gloves. Vergl. dazu Berlin wool, die zu Stickwaaren gebrauchte bunte Wolle.

p. 114. „Bob,“ nicht gleich pop.

ibid. „Bound.“ „to be bound up in somebody.“ Biblischer Ausdruck, vergl. Genesis XLIV. 30.

p. 115 „Brick.“ „You can't make bricks without straw.“ Ebenfalls biblisch. vergl. Exodus V. 7.

p. 116 „Cat.“ There is a proverb with reference to the killing of cats.“ Es heisst: care bas killed a cat. p. 117. „Cleft.“

,,To put a fellow in a cleft stick.“ Jemanden in die Enge treiben.

p. 118. „Coal.“ „Für to call hat.“ Augenscheinlich Druckfehler. Das daselbst citirte: „to have over the coals lautet auch oft: to baul over the coals.“ Einen coram nehmen.

ibid. „Cocktail. The half-bred. English Hunter. (Nach Monicke's bandschriftl. Zusätzen zu Hilpert )

ibid. „To cosher.“ „Coshering, A set feast made in Ireland if noblemen and their tenants, who sat the whole time on straw. The coshering was always accompanied with barper's music. See a curious description in Stanihurst, p. 45. (Halliwells Dict. of Archaic and Provincial Words.)

p. 119. „Crooked.“ „To set crooked things straight.“ Vergl. Isaias XL, 4.

ibid. „Cropper.“ Gegenüber dem „scratch,“ Ritz, ein stärkerer Riss, von crop

cut off ibid. „Curdiest salmon.“ Fettester Lacbs.

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p. 123. „Fig.“ Das „extensively go up, welches dort aus dem Si. D. citirt ist, muss natürlich heissen: „expensively go up."

ibid. „Fire.“ „Saving something out of the fire.“ Vergl. Zacharia II. 6.

125. General dealer.“ Die Bedeutung ist richtig angegeben. Solche Läden giebt es jedoch auch in grösseren Städten.

p. 126. „Semi-goring and semi-boring." Alliteration für Bohnen.

p. 131. „Leery.“ Ein gewöhnliches slang-Wort für geschickt, schlau. Verwandt mit Leer, a sly look. (S. Webster's Dict.)

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IV. Art. XXXI. Band p. 113 ff. p. 113. „I 've been taking a part in White sand and grey sand.“ Little Dor. II. 251. Ich habe das Lied „White sand etc.“ mitgesungen.

p. 116. The Lord set you up like a corner pin. Ibid. 1. 85. Ob vom Kegelspiel (game of ninepins) bergenommen? Ja wobl! Also der Herr richte Dich wieder von Deinem Falle auf.

p. 119 brought up amongst fellows would skin a cat d. h. die sich zu Allem hergeben, denen keine Arbeit zu schlecht oder zu mühsam ist. Im Talmud befindet sich eine entsprechende Lehre: „Ziehe einem Aase auf der Strasse das Fell ab und sage nicht, ich bin zu vornehm dazu.“

p. 122 a spitch-cooked chicken. Soll jedenfalls beissen: spitch cocked, weshalb ich einfach auf Flügel verweisen kann.

p. 126 tapped contemptuous lips. L. Dor. II. 146. Sebr leicht aus dem zweimal auf der nämlichen Seite erwähnten patting und tapping her lips with her far zu erklären. Also „ihre verächtlichen, mit dem Fächer berührten Lippen."

p. 131. turn a tune. Eine Melodie singen.

p. 137. Like the Woodpecker Tapping. L. Dor. II. 291. Wiederum der Anfang eines Liedes.

Herr Dr. Hoppe scheint es zu verschmähen, die deutschen Uebersetzungen der von ihm so genial und fleissig durchforschten Romane zu Rathe zu ziehen. Ich erwähne es deshalb als einen blossen Act der Gerechtigkeit, dass ich die Erklärung der beiden obigen Stellen (p. 113 und 187) der Uebersetzung des Dr. M. Busch verdanke. Leipzig

Dr. D. Asher.

Ein englischer Deist. In A. Stahr's „Biographie Lessing’só wird S. 172 des 2. Bandes ein Lyons unter den englischen Deisten genannt. Weder bei Lechler („Geschichte des englischen Deismus“, Stuttgart und Tübingen 1841, Cotta), noch bei Hettner („Geschichte der englischen Literatur von 1660– 1770“, Braunschweig 1856, F. Vieweg und Sohn), noch in irgend einer mir vorliegenden englischen Geschichte der englischen Literatur finde ich einen solchen Namen erwähnt. Ist also obiger Name nicht ein Druckfehler?

Milton und der Bischof St. Avitus. Bei Danzel über Lessing (Bd. I. S. 268) wird das Buch eines gewissen Lawder erwähnt, in welchem Milton der unverschämtesten Plagiate beschuldigt wurde. Ferner wird daselbst von einer Gegenschrift gesprochen, welche in Frankfurt- und Leipzig im Jahre 1753 unter dem Titel: „Untersuchung, ob Milton sein verlorenes Paradies aus lateinischen Schriftstellern ausgeschrieben“, erschienen und eine Uebersetzung oder Bearbeitung des Buchs von John Douglas sein soll, welcher kurz vorher Lawder's Behauptungen widerlegt hatte. Nun erwähnt Guizot in seinem Werke: „Histoire de la civilisation en France, Nouvelle Edition, II, p. 62“ (Paris 1846) den Bischof St. Avitus von Vienne, den er für den bedeutendsten aller christlichen Dichter, welche vom 6. bis zum 8. Jahrhundert gelebt, hält und dessen Gedichte über die Schöpfung u. s. w. er mit dem verlorenen Paradies von Milton, nicht allemal zum Vortheil des letztern, vergleicht. Er sagt: „Nicht bloss durch den Gegenstand und die Namen allein erinnert uns dieses Werk an Milton; die Aebnlichkeiten sind sowohl in einigen Theilen der allgemeinen Auffassung wie in einigen der wichtigsten Einzelheiten auffallend. Es soll damit nicht gerade gesagt sein, dass Milton die Gedichte des St. Avitus gekannt babe, obschon nichts vorliegt, was das Gegentheil bewiese. Sie waren im Anfang des 16. Jahrhunderts veröffentlicht worden, und Milton's classische und theologische Gelehrsamkeit war ausgebreitet. Es schadet indessen seinem Rahme wenig, ob er sie gekannt habe oder nicht. Er gehörte zu denen, welche nachahmen, wenn es ihnen beliebt; denn sie erfinden, wenn sie wollen, und sie erfinden selbst, wenn sie nachahmen.“

Da mir keine der beiden obengenannten Schriften zugänglich ist, so möchte ich an diejenigen, welche im Besitze derselben sind, die Frage richten, ob Lawder's Beschuldigung ebenfalls auf den Bischof St. Avitus sich bezieht oder ob er von einem andern lateinischen Dichter redet?

Die Schlegel-Tieck'sche Uebersetzung Shakspeare's. Die neu erschienenen Auflagen (in 9 Bänden 1854 und in 12 Bänden 18?) dieses classischen Werks sind nach den viel besprochenen und in England jetzt ziemlich allgemein als unecht verworfenen Emendationen Collier's verändert worden. Wer hat diese Bearbeitung besorgt? Wie kommt es, dass weder das Titelblatt noch irgend ein Vorwort den Käufer davon in Kenntniss setzt, dass diese neuen Auflagen verändert sind? Sollen die Emendationen auch für künftige Auflagen beibehalten werden, oder beabsichtigt man, zum ursprünglichen Text wieder zurückzukehren? Leipzig.

D. Asher.

Bibliographischer Anzeiger.

Allgemeines. Les langues et les races, par H. Chavéc. I. vol. (Paris, Franck.) 2 fr. J. G. Th. Graesse, Trésor de livres rares et précieux. 17 Livr. (Dresden, Kuntze.)

2 Tblr.

exicographie. A. Scheler, Dictionnaire d'étymologie française d'après les résultats de la science moderne. (Brüssel, Schnée.)

4 Thlr. R. J. Lucas, Deutsch-englisches Wörterbuch. 4. Heft. (Bremen, Schünemann.)

15 Sgr. F. de Mordax, primo dizionario e frasario di corrispondenza mercantile, italiano-tedesco. (Triest, Schubart.)

2 Thlr.

Grammatik. G. Bornhack, Grammatik der hochdeutschen Sprache. Zum Verständniss

des Althochdeutschen, Mittelboebdeutschen und Neuhochdeutschen. I. Theil: Die Orthoepie und Etymologie. (Nordbausen, Förstemann.)

10 Sgr. F. Dietrich, Ueber die Aussprache des Gothischen während der Zeit seines Bestehens. (Marburg, Elwert.)

20 Sgr. L. Benloew, Précis d'une théorie des rhythmes. I. Partie: Rhythmes français et rhythmes latins. (Leipzig, Franck.)

i Tblr.

Literatur.

Lessing und Goeze. Ein Beitrag zur Literaturgeschichte von A. Boden. (Leipzig, Winter)

2 Thlr. Martin Opitz von Boberfeld. Von K. Weinhold. (Kiel, Homann.) 6 Sgr. Die Sage vom heiligen Gral; erzählt und erläutert von L. Lang. (München, Expedition des Münchener Sonntagsblattes.)

27 Sgr. J. Disselhoff, die classischen Dichtwerke des Alterthums und des Mittelalters in ihrer religiös-sittlichen Bedeutung. (Barmen, Langewiesche.)

5 Sgr. K. Tomaschek, Schiller in seinem Verhältnisse zur Wissenschaft. (Wien, Gerold.)

3 Thlr. 24 Sgr. M. Rapp, Studien über das englische Theater. 1. u. 2. Abtheilung. (1ü

bingen, Laupp.)

11/2 Thlr.

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