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triebenen Fürsten Djumatsen, der erblindet mit seinem Weibe in Walde wohnt. Als sie zurückkommt, ihrem Vater diese Wahl zu verkünden, trifft sie den weisen Narada, den wahrsagenden Freund der Götter. Dieser beklagt ihre Wahl, denn Satjawat, den er als edlen Menschen rühmt, müsse in Jahresfrist sterben. „Wähle Dir einen andern Mann,“ spricht Sawitri's Vater, sie aber erwiedert:

Ob lang er lebe oder kurz,
Der Gatte ist einmal gewählt,
Ich wähle keinen andern mehr.

*Da geht der Vater mit ihr zur Einsiedelei des alten blinden Djumatsen und die Verbindung Sawitri's mit Satjawat wird vollzogen. Froh lebt sie nun in dem prächtigen tropischen Walde, doch trägt sie das schwere Wort des Narada still im Herzen. Vier Tage, bevor die Frist abgelaufen ist, legt sie sich die strengsten Bussübungen auf, und als endlich der verhängnissvolle Tag anbricht, da bittet sie den Gatten und dessen Eltern, dem Satjawat folgen zu dürfen, wenn er mit dem Beile in das Holz geht. Sie gewähren es ihr. Unterwegs macht Satjawat die geliebte Gattin auf die Schönheit des Waldes aufmerksam; sieh, sagt er zu ihr, den lieblichen und wundervollen Wald; sieh dort die Pfauenherde, hier die Fluth des Baches und die Blüthenpracht; – sie aber, wandelnd hinter ihm, sah überall nur ihn allein, der Stunde denkend schmerzerfüllt, da sterben sollte ihr Gemahl.

Satjawat beginnt zu arbeiten, und fühlt sich bald ermattet und krank. Da setzt Sawitri sich zu Boden und nimmt sein Haupt in ihren Schooss. Nun erscheint Jama, der Todesgott, und Sawitri, sanft das Haupt des Gatten bei Seite legend, redet

Der Tod zieht die Seele aus dem Körper Satjawat's und geht damit fort. Stumm folgt die treue Sawitri ihm nach und achtet nicht die Ermahnung des Todes, welcher ihr räth umzukehren. Als sie eine Weile gegangen sind, sagt Sawitri dem Tode einen frommen Spruch und Jama findet daran so viel Wohlgefallen, dass er ihr eine Gnade verspricht, aber mit dem Zusatze: Nur nicht das Leben Satjawat's. Da erbittet sie, dass ihr Schwiegervater sehend werde. Als bald darauf Jama ihr eine zweite Bitte freistellt, nur nicht das Leben Satjawat's, bittet sie, dass der alte Djumatsen wieder in sein Reich eingesetzt werde. Noch zweimal wiederholt sich dasselbe. Der Todesgott, durch ihre Geduld und sanfte Frömmigkeit gerührt, gewährt ihr noch zwei Wünsche, nämlich Nachkommenschaft für ihren Vater und sie selbst. Sie ermüdst indess nicht und erreicht endlich durch ihre Ausdauer das Höchste, denn , wünsche, was Du haben willst,“ sagt Jama und setzt das schreckliche „nur nicht das Leben Satjawat's diesmal nicht hinzu. Da entgegnet Sawitri in überströmender Freude:

ihn an.

Diesmal ist Deine Gabe nicht wie sonst der Seligkeit beraubt,
Gieb mir das Leben Satjawat's, gieb mir das Leben des Gemahls,
Gieb mir mein Leben wieder, gieb mir Himmel, Glück und Seligkeit.

Jama erfüllt ihren Wunsch und sie kehrt mit der Seele Satjawat's zu dessen Körper zurück. Still nimmt sie das Haupt des geliebten Gatten wieder in ihren Schooss und als Satjawat erwacht, kehrt sie init ihm zurück, ohne das Vorgefallene auch nur zu erwähnen. Als sie jedoch zu Djumatsen's Einsiedelei zurückkommen und alle Wünsche, welche der Tod der Sawitri gewährt hat, in Erfüllung gegangen sind, da wird ihre Tugend offenkundig. Am Schlusse heisst es dann : Wo man hinfort Frauentugend rühmt, sei Sawitri zuerst genannt.

Hier erlaube ich mir, meine Mittheilungen über indische Sagen abzubrechen. Vieles bleibt noch zu erwähnen: namentlich wäre noch Interessantes von den Märchen- und Fabelsammlungen anzuführen, und zu zeigen, wie auch hierin, namentlich bei der Thierfabel, Aehnlichkeiten mit Dichtungen anderer Völker erkannt wurden doch würde dies zu weit führen. Möge denn das Wenige, was mir mitzutheilen vergönnt war, nachsichtig aufgenommen werden. Braunschweig

Dr. A. Glaser.

Französische

Uebersetzungskunst und französische Kritik.

[Les Chevaliers-Poètes de l'Allemagne par Octave d'Assailly. Paris 1862.]

Ein bekannter, vor mehreren Jahren verstorbener Professor der Geschichte, der auf einen Collegen nicht gut zu sprechen war, meinte einmal in seinen Vorlesungen: „Nun, wenn man verhältnissmässig leichte Lorbeeren ernten will, begibt man sich auf ein Gebiet, wo fast Niemand einen controlliren kann; da schreibt man, was weiss ich, eine altchinesische oder mongolische Geschichte.“ Ich kann nicht beurtheilen, ob deutsche Gelehrte, wenn sie den Versuch machten, ohne ausreichende Kenntnisse an eine solche Arbeit zu gehen, nicht auch auf dem Terrain unter ihren Genossen Sachkenner finden würden, die ihnen auf die Finger oder auf die Feder sähen; aber ich vermuthe, dass Herr d'Assailly gemeint hat, man habe in Frankreich noch nicht nöthig, sich so weit weg zu begeben, jener glückliche Zustand des Nichtbeaufsichtigtwerdens fange dort schon bei dem deutschen Mittelalter an; und beinahe hätte er sich nicht getäucht. Er ist ein junger, talentvoller Mann, der längere Zeit in Deutschland gelebt hat und in Verbindung, selbst etwas verwandt ist mit mehreren bedeutenden Gelehrten. In Begriff nun seinerseits die schriftstellerische Laufbahn zu betreten, glaubte er, in unseren Minnesängern einen Stoff gefunden zu haben, der, den Franzosen noch so gut wie völlig unbekannt, sich zu einem interessanten Buche verarheiten liesse, und wir können ihm zu seiner Wahl nur Glück wünschen. Er beabsichtigte in keiner Weise, den Gegenstand vollständig zu umfassen; er hat die sechs Dichter, die ihm die bedeutendsten

Archiv f. n. Sprachen. XXXII.

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oder besonders charakteristisch zu sein schienen: Walter, Gottfried, Wolfram, Ulrich von Lichtenstein, den Tannbäuser und Heinrich Frauenlob herausgegriffen, von einigen das Leben, meist nach ihren Gedichten, erzählt, von diesen Analysen gegeben und mehrfach längere Proben in Uebersetzung mitgetheilt. Das Buch ist elegant, leicht geschrieben, frei von allem unnützen, gelehrten Beiwerke, und doch schien mitunter eine gelegentliche Bemerkung, ein Citat im Texte, sowie ein Anhang, in den einiges gelehrtes Material verwiesen war, die vollste Bekanntschaft mit dem Gegenstande zu verrathen; da zeigt sich eine gewisse jugendliche Frische, ein warmer Enthusiasmus ; ein in französischen Büchern nicht zu häufiger spiritualistischer Hauch beseelte das Ganze, und zumal dem, welcher mit dem Leben der Sänger und mit der ganzen Zeit, als deren Repräsentanten sie dargestellt werden, wenig vertraut ist, inues das Werk eine angenehme Lectüre sein. Auch sprachen sich die Journale durchaus günstig aus, zum Theil allerdings nur in flüchtigen Kritiken', wie die der „Presse," wo man merkt, dass der Recensent, verpflichtet, über Bücher verschiedener Fächer, von denen er Nichts versteht, zwischen heute und übermorgen ein Urtheil abzugeben, sich mit einigen lobenden Phrasen und allgemeinen Bemerkungen begnügt, er lehre uns diese vieille Allemagne kennen, diese interessanten Städte mit den spitzen Giebeldächern und den Nestern auf denselben, worin die Raben und die Störche nisten, (denn es ist ganz erstaunlich,

so ein Pariser Journalist von der Natur weiss, man ist immer ungewiss, was man mehr bewundern soll, ob die naturwissenschaftlichen oder historischen, die geographischen oder literarischen Kenntnisse). Aber auch andere Blätter, z. B. die Opinion nationale waren des Lobes voll, erkannten die Ausdehnung und Tiefe der Forschung an und erklärten, dass der Verfasser mit eben so viel Genauigkeit als Talent die anmuthigen Physiognomien der deutschen Dichter reproducirt habe; selbst die Revue des deux Mondes beglückwünschte ihn, d'être si familier avec des aspects jusqu'ici ignorés de la littérature germanique, und die Revue germanique machte zwar einige Ausstellungen, dass er Frauenlob zu vortheilhaft behandelt, dass er Hartmann von der Aue ausgelassen, dass er dem Tann

was

häuser nicht ganz gerecht geworden, aber, sagt sie ebenfalls : on reconnaît bien que c'est une oeuvre bien conçue et ouvrée avec goût. En véritable artiste l'auteur sait voiler les efforts qu'il fait pour bien voir les hommes et les choses qu'il retrace. Il groupe bien ses figures, et il y a dans son style du mouvement et de la couleur. A chaque page on rencontre des expressions heureuses et des aperçus qui ne manquent pas d'originalité. La préface est un modèle de tact littéraire. Auch wurde von dem Kritiker, Herrn Boskowitz, dem Verfasser seine leidenschaftliche Liebe zur deutschen Sprache hoch angerechnet; sagt dieser doch von dem Idiom der Minnesänger: Les accents de cette langue forte, naïve et sonore exhalent quelquefois une suavité si tendre, qu'on les dirait recueillis sur les lèvres d'un séraphin. - Schliesslich gab in dem Organ der Akademiker, dem Journal des Débats, einer der ersten Kritiker Frankreichs, Saint-Marc Girardin mit vollendeter Kennermiene auch sein Urtheil gleichsam als letztes Wort ab über dieses livre fort curieux et fort intéressant. Son livre a eu du succès et je l'en félicite avec beaucoup de joie ; er liess zwar inmitten des Lobes mit feiner Ironie merken, dass der Verfasser vielleicht zu sehr an ein Damenpublicum gedacht, machte ihm aber den schmeichelhaften Vorwurf, dass das Buch zu kurz, nur eine Recognoscirung sei, und forderte ihn auf, seine Studien fortzusetzen. So wäre denn der Erfolg des Buches vollständig gewesen und d'Assailly würde nunmehr als unbestrittene Autorität in diesem Fache gelten; doch liess sich eine dissentirende Stimme schon früher vernehmen, in der Revue contemporaine. Professor Pey, der sich mehrfach mit mittelalterlicher Poesie beschäftigt hat, anfangs ebenfalls durch die bestechende Aussenseite des Buches fast gewonnen, fand insbesondere den Ton der mitgetheilten Gedichte denn doch etwas verdächtig, und nun näher zusehend, kam er, bei aller Anerkennung der stylistischen und sonstigen Vorzüge des Verfassers, zu dem Resultate, das er in einem gründlichen, 40 enge Seiten langen Artikel bewiesen hat, qu'il n'a point fait connaître les troubadours de l'Allemagne, ou plutôt, qu'il les a fait mal connaître, ce qui est plus fâcheux, selon nous, que s'il ne les avait point fait connaître du tout, l'erreur étant pire encore que l'ignorance. Mit grosser Aus

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