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gegen sie aufgiebt. In diesem Falle kommt die Consonanz zu stärkerer Geltung. Je mehr dies aber geschieht, je kräftiger das Organ, welches dieselbe zu bilden hat, seine Schliessung vollzieht: desto grösser ist die Oeffnung, mit welcher es diesen Moment vorbereitet, desto grösser also die Oeffnung auch für den vorangehenden Vocal. Und diese gesteigerte Mundöffnung ist es, welche alsdann sowohl die tiefen Vocale (U, O) wie die hohen (E, I) a-wärts treibt und den ersteren einen höheren, den letzteren einen tieferen, beiden also denjenigen Klang verleiht, welchen man den offenen nennt. Das A selbst aber, das schon an sich die vollkommenste Oeffnung des Mundes erheischt, lässt nun seinerseits, wenn auch leise, denjenigen Moment wahrnehmen, in welchem die Oeffnung in die zur Bildung der Consonanz nöthig werdende Schliessung übergeht; es beginnt seinen Laut zu schliessen, indem es sich entweder 0- oder e-wärts ein Wenig trübt, je nachdem die nachfolgende Consonanz mehr in dem hinteren oder in dem vorderen Theile des Mundes zu bilden ist.

Man kann daher sagen: In der geschlossenen Sylbe ist der Laut des A gleichfalls geschlossen, der der übrigen Vocale hingegen

offen. Folgende Beispiele werden dies anschaulich machen. Sie enthalten nur geschlossene Sylben, mit Ausnahme der Endsylben, die überhaupt (bis auf wenige einsylbige Partikeln) im Italienischen niemals geschlossen sind. Hinsichtlich des (betonten) O und E bieten auch sie nur allgemein anerkannte Fälle dar: U: brút-to, brut-tán-do

0: pon-do, con-tór-to E: tém-po, per-fét-to 1: fin-to, bir-bán-te A: ál-to, bar-bac-gia Gemischtere: col-tél-lo, ab-bon-dán-za,

par-ten-za, buf-fon-cél-lo, dis-giún-to. Auch hier wolle man zunächst prüfen, ob die Stimmung des Vocals in den unbetonten Sylben eine andere sey als in den betonten. Man wird sich überzeugen, dass in Wörtern wie con-tór-to, per-fét-to das O und E (um eben nur diese in Betracht zu ziehen) in der unbetonten Sylbe, wiewohl schwächer, ganz eben so offen lautet wie in der betonten. Wenn die Grammatiker also im Gegentheil behaupten, es habe in der unbetonten Sylbe, auch wenn sie geschlossen sey, den ge

Archiv f. n. Sprachen. XXXIII.

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schlossenen Laut: 80 verwechseln sie die Stimmung des Vocals mit dem Grade seiner Betonung, das musikalische Verhältniss mit dem dynamischen. Den Vocal in der geschlossenen Sylbe geschlossen zu sprechen gelingt nur mit Hülfe der Dehnung; man müsste ihm eine Naturlänge beilegen, die er im Italienischen, wie schon bemerkt worden, nicht hat. Man spricht allgemein und unbestritten còn, pěr, nicht con, pēr. Ohne Zweifel sind es Sylben dieser Art gewesen, durch welche sich Valentini, gegen die übrigen Grammatiker, zu der oben (S. 2) angeführten Behauptung veranlasst gesehen hat, dass sich unbetontes O und E, „nur dem Suono aperto, dem offenen Tone" nähere. In Ansehung der geschlossenen Sylben hat er Recht, und Unrecht nur in Ansehung der offenen; und eben so würden die übrigen Grammatiker mit ihrer entgegengesetzten Behauptung Recht haben, wenn sie dieselbe auf die offenen Sylben beschränkten und nicht zugleich auf die geschlossenen ausdehnten. Der beiderseitige Widerspruch findet seine Lösung darin, dass die Stimmung des Vocals nicht von der Abwesenheit des Accentes, sondern von der offenen oder geschlossenen) Beschaffenheit der Sylbe bedingt wird. Sollten übrigens die Grammatiker auch darin Recht haben, dass der geschlossene Laut, wie gleichfalls schon oben (S. 2) erwähnt worden, der herrschende sey oder die Regel, der offene dagegen die Ausnahme bilde: so würde dies Verhältniss nicht darauf, dass es mehr unbetonte als betonte, sondern darauf beruhen, dass es im Italienischen) mehr offene als geschlossene Sylben giebt. Jedoch wird in dieser Hinsicht ein besonderes Moment noch am Schlusse dieser Abhandlung hervorgehoben werden.

Was nun die betonten Sylben betrifft: 80 wird es eben die Geschloggenheit derselben seyn, welche ihnen den offenen Laut des O und E auch in folgenden Wörtern Paroxytonis wie Proparoxytonis verschafft, hinsichtlich welcher Diez ein lat. 7 und ě als Grund dieses offenen Lautes geltend macht: Cól-lera (cho-lera), óg-gi (ho-die), - Féb-bre (-bris), grég

()ge (grex, grė-gis), mér-la (-rula), méz-zo (-dius), spécchio (spě-culum), véc-chio (-tulus),

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so wie in folgenden, deren offenen Laut er durch lat. o unde in der Position begründet:

Cór-da (chor-da), don-na (do-mna für dómina), dót-to (do-ctus), fióc-co (floc-cus), fól-le, fór-te, fós-sa, grós-80, mól-le, nór-ma, ór-bo, ór-to, ór-zo (hor-deum), pon-do, sór-te, stóc-co (Stock), tón-dere nebst denen auf ót-to, ót-ta, wie z. B. cappót-to, casót-ta, galeót-to — Bél-lo (bel-lus), cén-to, cés-sa, dén-te, éc-co, fér-ro, gén-te, pél-le, prés-so, tém-po, tér-ra, lét-to (le-ctus), dilét-to, aspet-to nebst denen auf él-lo und én-za, wie anél-lo, asinél-lo, castél-lo, cervel-lo, coltél-lo, fratél-lo, sorél-la, uccél-lo; assén-za, clemén-za,

semén-za, und in folgenden, welchen der offene Laut, gegen lat. u und i in Position, „ausnahmsweise“ zugestanden wird:

Fól-la (von ful-lo), tróp-po (mittelalt. lat. trup-pus), gót-to, fiót-to, lót-ta, grót-ta (cry-pta), nóz-ze (nu-ptiae) „und manche andres Assen-zio (absin-thium), fén-dere, véllo (vil-lus)

,,und manche andre.“ Diese „Ausnahmen“ sind wiederum völlig gerechtfertigt und regelrecht. Nicht gerechtfertigt dagegen ist es, wenn umgekehrt (gegen lat. ŏ und ě, oder gegen lat. o und e in Position) ebenfalls „ausnahmsweise“ der geschlossene Laut in folgenden Wörtern verlangt wird: Cón-te (cỏ-mes, itis,) él-lera (-dera), grém-bo (grē-mium)

Cól-le, són-no, cóm-pro, fón-te, frón-da, nascón-dere, frón-te, món-te, pón-te, con-to, pron-to, ór-ca, ór-dine, fór-ma, ór-no, tór-no, fór-se -- Sél-la, stél-la, pén-na, bél-va (bel-lua),

tem-pio, tem-pra, prén-dere, vén-dere, mén-te, men-to (men-tum; mentior), semén-te, pén-tola, nebst denen auf

mén-te und mén-to, wie z. B. chiaramén-te, reggimen-to. Denn auch hier gelingt, wie oben in den unbetonten Sylben, die geschlossene Aussprache nur, wenn man das O und E dehnt, ihm also eine Naturlänge giebt, die ihm nicht zukommt. Wörter wie die vorstehenden mit geschlossenem und doch nicht gedehntem Laute sprechen zu wollen ist ein so naturwidriges Bemühen, dass selbst das präsenteste Bewusstseyn von der etymologischen Beschaffenheit und Stellung des lat. Urvocals Nichts dabei auszurichten vermag. Wo es dennoch versucht würde: müsste man es geradezu als einen Fehler des Dialektes oder sonst schlechter Gewöhnung ansehen. Dasselbe wird alsdann aber auch von folgenden Wörtern gelten müssen, für welche der geschlossene Laut auf Grund eines lat. è und i behauptet wird:

Póz-zo (pů-teus), róz-zo (rů-dis) - Nét-to (ri-ti-dus), séc-chia (si-tula), vér-de (vị-ridis) nebst denen auf éc-cio, ég-gio (Vb. ịco), éz-za (i-tia), wie z. B. venderéc-cio, verneréc-cio,

lampég-gio, rosség-gia, certéz-za, tristezza, so wie von folgenden, in welchen der geschlossene Laut auf der Position des lat. u und į beruhen soll:

Bóc-ca (lue-ca), tóc-co (althd. cac-chan), ból-la, pol-lo, bór-ra, cór-ro, rós-so, ghiot-to, dól-ce, zól-fo, fól-gore, cól-mo, cól-pa, vól-pe, mól-to, pól-ta, pól-vere, tóm-ba, lóm-bo, pióm-bo, om-bra, róm-po, trón-co, spelón-ca, ón-da, on-de, fón-do, tón-do (rotun-dus), giocón-do, lón-za, ór-cio, sór-do, tór-do, bór-go, giór-no (diur-nus), tór-no, ór-so, tór-so (thyrsus), bór-sa, sót-to Séc-co (sic-cus), quél-lo (il-le), cén-do (mlat. cin-nus), sén-no (dtech. Sinn), cép-po, grép-pia (dtsch. Krip-pe), més-so, spés-80, és-so (i-pse), él-mo (goth. hilms), ém-pio, dén-tro (in-tra), fér-mo, schér-mo (Schirm), nebst denen auf és-sa, ét-to, wie z. B. duchés-sa, principés

sa, animalét-to, parolét-ta. In allen diesen Wörtern kann das 0 und E bei naturgemässer, correcter Aussprache nicht anders als offen lauten. Gerade der Umstand, dass lateinisches (oder sonstiges) u und i in geschlossener Sylbe fast durchgehends in ital. O und E übergegangen ist, bestätigt das Bestreben des Vocals, bei dieser Beschaffenheit der Sylbe seinen Laut nach Möglichkeit zu öffnen, so dass sich das Bemühen, dies 0 und E, anstatt ihm die Freiheit der Lautöffnung zu gewähren, wiederum zu jenem U- und I-Laute zurückdrängen zu wollen, als ein in der That irrtümliches zu erkennen giebt. Die Geschlossenheit der Sylbe verhindert den auch geschlossenen Laut des (kurzen, nicht gedehnten) 0 und E durchaus und überall; sie bringt nothwendig stets den offenen Laut mit sich.

II. Dagegen gestattet die offene Sylbe allerdings ein auch offenes O und E, und zwar unter dem Einflusse der Betonung

Jeder Vocal nämlich lässt seinen Laut, sey es je nach der Beschaffenheit der Sylbe der offene oder der geschlossene, unter dem Accente stärker und damit auch vollkommener und bestimmter ertönen als da, wo der Accent fehlt oder gewichen ist. Der Accent stärkt den Vocal, der Mangel oder Verlust desselben schwächt ihn. Diese Stärke und Schwäche des Tones besteht in nichts Andrem als in der grösseren oder geringeren Kraft, mit welcher die Stimme aus dem Inneren hervordringt. Nun äussert die Stimme ihre grösste Fülle und Kraft aber da, wo der Mund am Weitesten geöffnet ist; wo sich dieser dagegen in dem einen oder dem andern seiner Organe zusammenzieht, da wird der freie Strom der Stimme beschränkt und damit ihr Klang gedämpft und geschwächt. Darum ist A als der offenste auch an sich schon der klangvollste, stärkste Vocal, während die organisch geschlossenen Vocale U und I an sich schon auch die klanglosesten und schwächsten sind. Mit der von U und I zu A fortschreitenden Oeffnung erfolgt demnach gleichzeitig eine Stärkung, mit der von A nach U und I zunehmenden Schliessung eine Schwächung des Tones, welches Verhältniss seinen Wechsel wiederum an den Uebergangs- und Mittelvocalen () und E am Meisten bemerkbar macht.

Wie nun die Oeffnung den Vocal stärkt: so wird umgekehrt auch die Stärkung oder vielmehr der Accent, der solche bewirkt, die Fähigkeit haben, den Vocal, wenn dieser (in offener Sylbe) geschlossen war, zu öffnen.

Indessen öffnet der Accent den Vocal nicht ohne Weiteres ; sonst würde allerdings jede betonte Sylbe (auch die offene) in ihrem bloss gestärkten Laute zugleich schon einen offenen, so wie rückwirkend jede unbetonte Sylbe (auch die geschlossene) in ihrem bloss geschwächten Laute zugleich schon einen geschlossenen darbieten. Man kann zunächst nur behaupten, dass der Accent den Vocal, den er stärkt, öffnen könne. Damit er es wirklich thue, ist nöthig, dass noch Etwas hinzutrete, das geeignet ist, ihm selber ein besonderes Gewicht zu verleihen und seine Kraft über das gewöhnliche Mass hinaus zu steigern.

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